Gut sehen kann ich schlecht, aber schlecht hören, das kann ich gut! (Joseph Kardinal Frings)
Jasna Góra

Freitag, 23. Oktober 2015
Nachtrag zum 22. Oktober
Am 22. Oktober ist der Gedenktag Johannes Pauls II. Deshalb verlinke ich heute noch nachträglich ein Video:
Sonntag, 18. Oktober 2015
Blöde Werbung
Auch Hörgeräte - nein es heißt jetzt Hörsysteme - werden von den Herstellern beworben.
Ich kann sehr gut verstehen, wenn die Hersteller in der Werbung darauf aufmerksam machen, was das Hörgerät alles kann. Schließlich gibt es da je nach Technik wirklich Unterschiede, und je nach Technik ist der Klang auch anders. Ich fand Musikhören am Anfang ganz furchtbar. Dann hat mein Akustiker mir noch ein Musik-Programm eingestellt und damit finde ich Musikhören nun sehr angenehm. So ein Programm hat natürlich nicht jedes Hörgerät, deswegen finde ich es durchaus legitim, da in der Werbung auch drauf hinzuweisen.
Zwei Aspekte sind es, die mich an der Hörgeräte-Werbung nerven.
Erstens: "Das Hörsystem ist fast unsichtbar" (siehe zume Beispiel hier und hier.)
Zweitens: "Klares Sprachverstehen auch bei Störgeräuschen" (siehe hier und nochmal hier)
Zum zweiten Punkt: Hörgeräte können niemals das leisten, was ein gesundes Ohr leisten kann. An die Genialität der göttlichen Schöpfung kommt die Technik einfach nicht heran. Freilich sind die Hörgeräte und auch die übrige Hörtechnik in den letzten Jahrzehnten wirklich sehr, sehr, sehr viel besser geworden. Es ist toll, was Hörgeräte heutzutage alles können, und ich bin dankbar dafür. Dennoch sind sie weiterhin eine Protese und ich finde es falsch, wenn Akustiker und Hörgerätehersteller immer so tun, als könne man mit Hörgeräten wieder normal hören. Auf diese Weise verstärken sie nämlich ein verbreitetes Vorurteil über Schwerhörige, nämlich das Vorurteil "Ach, die haben halt das Hörgerät im Ohr und hören jetzt wieder normal."
Ich höre mit Hörgerät immer noch anders und schlechter als Guthörende. Und Sprachverstehen bei Störgeräusch ist für mich immer ein sehr großes Problem. Es ist schön, dass die Hörgerätehersteller sich bemühen, die Hörtechnik an diesem Punkt zu verbessern. Aber sie sollen bitte nicht so tun, als höre man mit Hörgeräten wieder normal.
Das ist vielleicht auch eine Frage des Hörverlustes. Eine Person, die nur einen schwachen Hörverlust hat, kann mit Hörgeräten vielleicht wirklich wieder annähernd normal hören. Mein Hörverlust ist aber schon so stark, dass es nicht geht.
Zu Punkt eins: Ich weiß gar nicht, ob ich hier schonmal etwas darüber gepostet habe, dass ich die Unsichtbarkeit der Hörbehinderung manchmal als sehr nachteilig empfinde. Es gibt nichtbehinderte Leute, die zu mir sagen: "Ach, sei doch froh, dass man das nicht sieht. Dann fällt es nicht so auf."
Nein, ich bin meistens nicht froh über die Unsichtbarkeit der Hörschädigung. Erstens ergeben sich dadurch viele Missverständnisse, die nicht entstehen würden, wenn man die Hörbehinderung gleich sehen würde. Zum Beispiel wenn ich an der Kasse auf die Frage nach der Paybackkarte nicht antworte, weil ich so sehr damit beschäftigt war, mein Geld aus dem Portmonnaie zu kramen, dass ich gar nicht gemerkt habe, dass die Kassiererin mir noch eine Frage gestellt hat. Das gibt immer Irritationen, weil die Kassiererinnen oder Kassierer selten auf die Idee kommen, dass ich deswegen nicht antworte, weil ich schwerhörig bin.
Schon allein deswegen finde ich es wichtig, Hörschädigung sichtbar zu machen, am besten mit knalligen, schönen Hörgeräten und Ohrstücken.
Zudem haftet der Hörbehinderung immer noch ein Stigma an. (Ein paar Infos dazu hier und hier) Sie ist etwas, das man lieber versteckt, lieber nicht zeigt. Doch gerade das Verstecken bringt die großen Schwierigkeiten mit sich. Eben weil es dann immer Irritationen gibt. Wenn ich nicht zu meiner Hörschädigung stehe, dann kann es ganz schnell passieren, dass die Leute denken: "Oh, die ist aber schwer von Begriff." Weil ich ständig nachfrage. Oder sie denken: "Die ist aber arrogant." Weil ich nicht gehört habe, dass jemand gegrüßt habt und einfach weitergegangen bin.
Gerade deswegen finde ich es schade, dass die Hörgerätehersteller und auch die Akustiker das "Versteckspiel" mitmachen und immer damit werben, wie unsichtbar die neuen Hörgeräte doch sind. Ich kann durchaus verstehen, dass manche Leute Angst haben, ihre Schwerhörigkeit zu zeigen. Allerdings wäre es doch besser, den Menschen die Angst zu nehmen, anstatt das Versteckspiel mit zu machen und immer "unsichtbarere" Hörgeräte zu kreieren.
Ich habe so schöne rote Ohrpassstücke mit Brillies. Solche Ohrstücke liegen bei keinem Akustiker in der Auslage. Wenn man fragt, bekommt man schon einen dicken Katalog mit vielen schönen Modellen. Aber man muss halt fragen. Und das finde ich schade.
Mein erster Akustiker hat immer gesagt:
Ich kann sehr gut verstehen, wenn die Hersteller in der Werbung darauf aufmerksam machen, was das Hörgerät alles kann. Schließlich gibt es da je nach Technik wirklich Unterschiede, und je nach Technik ist der Klang auch anders. Ich fand Musikhören am Anfang ganz furchtbar. Dann hat mein Akustiker mir noch ein Musik-Programm eingestellt und damit finde ich Musikhören nun sehr angenehm. So ein Programm hat natürlich nicht jedes Hörgerät, deswegen finde ich es durchaus legitim, da in der Werbung auch drauf hinzuweisen.
Zwei Aspekte sind es, die mich an der Hörgeräte-Werbung nerven.
Erstens: "Das Hörsystem ist fast unsichtbar" (siehe zume Beispiel hier und hier.)
Zweitens: "Klares Sprachverstehen auch bei Störgeräuschen" (siehe hier und nochmal hier)
Zum zweiten Punkt: Hörgeräte können niemals das leisten, was ein gesundes Ohr leisten kann. An die Genialität der göttlichen Schöpfung kommt die Technik einfach nicht heran. Freilich sind die Hörgeräte und auch die übrige Hörtechnik in den letzten Jahrzehnten wirklich sehr, sehr, sehr viel besser geworden. Es ist toll, was Hörgeräte heutzutage alles können, und ich bin dankbar dafür. Dennoch sind sie weiterhin eine Protese und ich finde es falsch, wenn Akustiker und Hörgerätehersteller immer so tun, als könne man mit Hörgeräten wieder normal hören. Auf diese Weise verstärken sie nämlich ein verbreitetes Vorurteil über Schwerhörige, nämlich das Vorurteil "Ach, die haben halt das Hörgerät im Ohr und hören jetzt wieder normal."
Ich höre mit Hörgerät immer noch anders und schlechter als Guthörende. Und Sprachverstehen bei Störgeräusch ist für mich immer ein sehr großes Problem. Es ist schön, dass die Hörgerätehersteller sich bemühen, die Hörtechnik an diesem Punkt zu verbessern. Aber sie sollen bitte nicht so tun, als höre man mit Hörgeräten wieder normal.
Das ist vielleicht auch eine Frage des Hörverlustes. Eine Person, die nur einen schwachen Hörverlust hat, kann mit Hörgeräten vielleicht wirklich wieder annähernd normal hören. Mein Hörverlust ist aber schon so stark, dass es nicht geht.
Zu Punkt eins: Ich weiß gar nicht, ob ich hier schonmal etwas darüber gepostet habe, dass ich die Unsichtbarkeit der Hörbehinderung manchmal als sehr nachteilig empfinde. Es gibt nichtbehinderte Leute, die zu mir sagen: "Ach, sei doch froh, dass man das nicht sieht. Dann fällt es nicht so auf."
Nein, ich bin meistens nicht froh über die Unsichtbarkeit der Hörschädigung. Erstens ergeben sich dadurch viele Missverständnisse, die nicht entstehen würden, wenn man die Hörbehinderung gleich sehen würde. Zum Beispiel wenn ich an der Kasse auf die Frage nach der Paybackkarte nicht antworte, weil ich so sehr damit beschäftigt war, mein Geld aus dem Portmonnaie zu kramen, dass ich gar nicht gemerkt habe, dass die Kassiererin mir noch eine Frage gestellt hat. Das gibt immer Irritationen, weil die Kassiererinnen oder Kassierer selten auf die Idee kommen, dass ich deswegen nicht antworte, weil ich schwerhörig bin.
Schon allein deswegen finde ich es wichtig, Hörschädigung sichtbar zu machen, am besten mit knalligen, schönen Hörgeräten und Ohrstücken.
Zudem haftet der Hörbehinderung immer noch ein Stigma an. (Ein paar Infos dazu hier und hier) Sie ist etwas, das man lieber versteckt, lieber nicht zeigt. Doch gerade das Verstecken bringt die großen Schwierigkeiten mit sich. Eben weil es dann immer Irritationen gibt. Wenn ich nicht zu meiner Hörschädigung stehe, dann kann es ganz schnell passieren, dass die Leute denken: "Oh, die ist aber schwer von Begriff." Weil ich ständig nachfrage. Oder sie denken: "Die ist aber arrogant." Weil ich nicht gehört habe, dass jemand gegrüßt habt und einfach weitergegangen bin.
Gerade deswegen finde ich es schade, dass die Hörgerätehersteller und auch die Akustiker das "Versteckspiel" mitmachen und immer damit werben, wie unsichtbar die neuen Hörgeräte doch sind. Ich kann durchaus verstehen, dass manche Leute Angst haben, ihre Schwerhörigkeit zu zeigen. Allerdings wäre es doch besser, den Menschen die Angst zu nehmen, anstatt das Versteckspiel mit zu machen und immer "unsichtbarere" Hörgeräte zu kreieren.
Ich habe so schöne rote Ohrpassstücke mit Brillies. Solche Ohrstücke liegen bei keinem Akustiker in der Auslage. Wenn man fragt, bekommt man schon einen dicken Katalog mit vielen schönen Modellen. Aber man muss halt fragen. Und das finde ich schade.
Mein erster Akustiker hat immer gesagt:
"Der Schmuck muss ja nicht unbedingt am Ohr hängen, er kann ja auch im Ohr sitzen!"So ist es!
Donnerstag, 15. Oktober 2015
Sonntag, 11. Oktober 2015
Nachtrag zu "Hörst du besser ?"

Als ich vor 6 Jahren meine neuen Hörgeräte bekam, mussten diese natürlich an meine Hörkurve angepasst werden. Meine Akustikerin hatte eine Voreinstellung gemacht und dann musste ich sagen, wie es klingt, und was aus meiner Sicht noch anders oder besser klingen müsste.
Es ist für mich gar nicht immer so leicht, die Höreindrücke zu beschreiben. Am Anfang klang halt alles komisch und anders. Ich versuchte also der Akustikerin zu erklären, was komisch klingt, sie versuchte das in der Einstellung entsprechend zu ändern. Aber es wollte nicht so recht gelingen. Ich war nicht zufrieden und auch etwas verzweifelt. Auch die Akustikerin war mit ihrem Latein am Ende.
Da sagte sie: "Sie hören so schlecht, aber sie haben ein sehr gutes Höreindrucksgedächtnis." Ich hatte mir also genau gemerkt, wie die Töne klingen sollen und mit dem neuen Gerät klang alles anders.
Ich benutze übrigens Phonak Naida V
Samstag, 10. Oktober 2015
Seligsprechung Stefan Wyszynskis
Komancza 1956 - Wyszynski ist rechts im Bild |
"Während wir um das Geschenk seiner Seligsprechung bitten, lernen wir von ihm die vollständige Hingabe an Maria."
Ein erster Schritt auf dem Weg zur Seligsprechung wurde getan. Im September ist die Positio fertig geworden, also eine Lebensbeschreibung Wyszynskis für die alle Dokumente sorgfältig geprüft wurden und auch Zeugen befragt wurden. Die Positio wurde der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse übergeben.
Ich freue mich schon auf die Seligsprechung ;-)
![]() |
Das Grab Wyszynskis in der Johanneskathedrale |
Höhlenkloster
Wer einmal ein unterirdisches Kloster sehen möchte, wird hier fündig:
http://kath-ru.blogspot.de/2015/10/ein-kloster-unter-der-erde.html
http://kath-ru.blogspot.de/2015/10/ein-kloster-unter-der-erde.html
Sonntag, 4. Oktober 2015
Hörst Du besser? Oder: Hören kommt vom Gehirn
Nachdem ich also gestern und vorgestern gegen Geschichtsrevisionisten zu Felde gezogen bin (was mir einen Anstieg der Leserzahlen beschert hat) gibt's heute ein harmloses Thema, nämlich das Hören.
Heute morgen war ich mit einer Freundin frühstücken. Nach dem Frühstück meinte sie, ich hätte sie viel besser verstanden als früher, ob ich neuerdings besser hören würde.
Nein, ich höre noch nicht besser. Meine Hörkurve ist immer noch dieselbe. Aber zum einen sind Hören (also das Wahrnehmen akustischer Reize) und Verstehen zwei verschiedene Dinge. Klingt jetzt komisch, ist aber so. Ein Geräusch höre ich als Hörgeschädigte einfach so, wie ich es höre und kann es dann auch zuordnen. Wenn ich einzelne Frequenzen des Geräuschs nicht höre, macht das nichts, weil ich das Gesamtgeräusch trotzdem wahrnehme.
Bei Sprache hingegen ist man aufgeschmissen, wenn man bestimmte Frequenzen nicht hört. Weil da eben wichtige Informationen drin sind, die für das Sprachverstehen wichtig sind.
Hören und Sprachverstehen sind aber immer eine Sache des Gehirns. Mit einem neuen Hörgerät zum Beispiel oder auch mit dem CI klingt die Welt plötzlich ganz anders. Mit der Zeit gewöhnt sich das Gehirn aber an die neuen Reize und kann die Geräusche dann zuordnen. Nach ein paar Wochen mit neuem Hörgerät klingt die Welt für mich wieder "normal" (also so wie mit dem alten Hörgerät).
Dazu noch ein kleiner Link: https://rehagroenenbach.wordpress.com/2013/12/10/sprachverstehen-sprachverarbeitung/
Heute morgen war ich mit einer Freundin frühstücken. Nach dem Frühstück meinte sie, ich hätte sie viel besser verstanden als früher, ob ich neuerdings besser hören würde.
Nein, ich höre noch nicht besser. Meine Hörkurve ist immer noch dieselbe. Aber zum einen sind Hören (also das Wahrnehmen akustischer Reize) und Verstehen zwei verschiedene Dinge. Klingt jetzt komisch, ist aber so. Ein Geräusch höre ich als Hörgeschädigte einfach so, wie ich es höre und kann es dann auch zuordnen. Wenn ich einzelne Frequenzen des Geräuschs nicht höre, macht das nichts, weil ich das Gesamtgeräusch trotzdem wahrnehme.
Bei Sprache hingegen ist man aufgeschmissen, wenn man bestimmte Frequenzen nicht hört. Weil da eben wichtige Informationen drin sind, die für das Sprachverstehen wichtig sind.
Hören und Sprachverstehen sind aber immer eine Sache des Gehirns. Mit einem neuen Hörgerät zum Beispiel oder auch mit dem CI klingt die Welt plötzlich ganz anders. Mit der Zeit gewöhnt sich das Gehirn aber an die neuen Reize und kann die Geräusche dann zuordnen. Nach ein paar Wochen mit neuem Hörgerät klingt die Welt für mich wieder "normal" (also so wie mit dem alten Hörgerät).
"Das Gehirn macht aus dem , was ankommt, mit der Zeit einfach das, woran es gewöhnt ist. Oder was es gerne hätte." (Alexander Görsdorf, Taube Nuss, Reinbek bei Hamburg 2013, S.179)Das Sprachverstehen hängt in mehrfacher Hinsicht vom Gehirn ab. Zum einen, weil das Hören eine Sache des Gehirns ist. Manche Menschen verstehe ich auf anhieb gut, weil sie deutlich sprechen, andere verstehe ich zunächst nicht so gut, gewöhne mich aber mit der Zeit an ihre Stimme, an ihr Lippenbild und an ihre Aussprache. Dann klappt das Verstehen besser. Manche Menschen verstehe ich dann irgendwann so gut, dass ich sie auch ohne Worte verstehe :) Sprachverstehen ist für mich aber auch deswegen eine Sache des Gehirns, weil ich ja nicht nur hören muss, sondern auch Lippenlesen und sogar noch kombinieren (d. h. das was ich weder hören noch absehen konnte, aus dem Kontext heraus erschließen). Das ist anstrengend. Und wenn ich schon müde oder erschöpft bin, dann verstehe ich halt einfach nicht so gut. Bin ich dagegen frisch und ausgeruht, verstehe ich besser. Und genau das war heute morgen der Fall.
Dazu noch ein kleiner Link: https://rehagroenenbach.wordpress.com/2013/12/10/sprachverstehen-sprachverarbeitung/
Samstag, 3. Oktober 2015
So schnell kann's gehen
So schnell hat man einen Rassismusvorwurf am Hals.
Ich habe auf einem anderen Blog einen Kommentar verfasst zu einem polnischen Priester, der Artikel aus der Zeitung Junge Freiheit auf seinem facebook-Profil geteilt hat. Der Kommentar ist sehr lang, er ist hier zu finden.
Ich habe mich in dem Kommentar recht kritisch zur Jungen Freiheit geäußert, da diese ein revisionistisches Geschichtsbild vertritt. Geschichtsrevisionismus definiert die Wikipedia wie folgt:
Außerdem wunderte ich mich darüber, dass ein polnischer Priester Artikel einer Zeitung teilt, die bezüglich des Zweiten Weltkrieges ein so revisionistisches Geschichtsbild verbreitet.
Ich weiß nämlich aus Erfahrung, dass die polnische Gesellschaft sehr empfindlich ist, was solch revisionistische Tendenzen angeht, das kann man zum Beispiel an diesem Artikel sehen.
Daraufhin schrieb ein unbekannter Leser folgenden Kommentar:
Getroffene Hunde bellen. Das war das erste, was mir dazu einfiel. Dennoch war ich auch erschrocken über die schärfe des Tonfalls, die in diesem Kommentar zum Ausdruck kommt.
Ehrlich gesagt, ich weiß gar nicht so genau, an welcher Stelle genau mein Kommentar rassistisch gewesen sein soll. Wisst Ihr es?
Ich habe auf den Kommentar noch einmal mit einem längeren Kommentar geantwortet. Einen Teil daraus zitiere ich hier:
Nun kann man tatsächlich nicht sagen, dass Scheil Polen die alleinige Schuld am Zweiten Weltkrieg gibt. Meine Formulierung in meinem ersten Kommentar war da wirklich überspitzt und drückt doch eher meinen Ärger über die revisionistischen Geschichtsbilder aus. Dennoch versucht Scheil ganz klar, die Verantwortung für den Ausbruch des Krieges von Deutschland weg auf andere Staaten, allen voran Polen zu schieben. Nun ist Stefan Scheil nicht die JF, aber die JF bietet ihm eine Plattform. Mein Vorwurf an die JF ist also weder infam noch unwahr. Die JF vertritt ein revisionistisches Geschichtsbild, das die Verantwortung für den Zweiten Weltkrieg von Deutschland weg auf andere Staaten, besonders auf Polen schiebt. Im Übrigen gibt es auch noch etliche andere Historiker, die meine Einschätzung zu Stefan Scheil und zur JF teilen.
Nun bin ich mal gespannt, ob ich noch eine Antwort auf meinen Zweiten Kommentar bekomme.
Eigentlich sollte mein Blog ja ein verbindendes Blog sein und ich wollte mich nicht allzu sehr mit kontroversen Themen aufhalten. Aber da ich mich im Rahmen meiner Dissertation ja mit vielen verschiedenen Meinungen und Geschichtsdeutungen auseinandersetzen muss, kannte ich die JF und ihre Thesen. Und da es auch noch um einen polnischen Priester ging, hat es mir irgendwie in den Fingern gekribbelt.
Ich habe auf einem anderen Blog einen Kommentar verfasst zu einem polnischen Priester, der Artikel aus der Zeitung Junge Freiheit auf seinem facebook-Profil geteilt hat. Der Kommentar ist sehr lang, er ist hier zu finden.
Ich habe mich in dem Kommentar recht kritisch zur Jungen Freiheit geäußert, da diese ein revisionistisches Geschichtsbild vertritt. Geschichtsrevisionismus definiert die Wikipedia wie folgt:
"Als Geschichtsrevisionismus bezeichnet man Versuche, ein wissenschaftlich, politisch und gesellschaftlich anerkanntes Geschichtsbild zu revidieren, indem bestimmte Ereignisse wesentlich anders als in der gegenwärtigen Geschichtswissenschaft erklärt und/oder gedeutet werden."Ich warf der JF vor, sie würde behaupten, Polen habe den Zweiten Weltkrieg entfacht. Das habe ich tatsächlich sehr polemisch formuliert, das muss ich zugeben. Mir hängen diese ganzen geschichtsrevisionistischen Meinungen inzwischen nämlich schon sehr zum Halse raus. Dazu weiter unten mehr.
Außerdem wunderte ich mich darüber, dass ein polnischer Priester Artikel einer Zeitung teilt, die bezüglich des Zweiten Weltkrieges ein so revisionistisches Geschichtsbild verbreitet.
Ich weiß nämlich aus Erfahrung, dass die polnische Gesellschaft sehr empfindlich ist, was solch revisionistische Tendenzen angeht, das kann man zum Beispiel an diesem Artikel sehen.
Daraufhin schrieb ein unbekannter Leser folgenden Kommentar:
Getroffene Hunde bellen. Das war das erste, was mir dazu einfiel. Dennoch war ich auch erschrocken über die schärfe des Tonfalls, die in diesem Kommentar zum Ausdruck kommt.
Ehrlich gesagt, ich weiß gar nicht so genau, an welcher Stelle genau mein Kommentar rassistisch gewesen sein soll. Wisst Ihr es?
Ich habe auf den Kommentar noch einmal mit einem längeren Kommentar geantwortet. Einen Teil daraus zitiere ich hier:
"@Unknown:
Sie haben Recht, wenn Sie von mir Belege fordern. Als Beispiel dafür, dass die JF geschichtsrevisonistische Thesen vertritt, verweise ich auf Artikel von Stefan Scheil:
https://jungefreiheit.de/kolumne/2014/gedenken-an-den-1-september-1939-ein-routineschwindel/#comments
https://jungefreiheit.de/politik/deutschland/2010/historiker-scheil-steinbach-hat-recht/
https://jungefreiheit.de/kolumne/2014/gewoehnliche-geschichtsklitterei/
Scheil hat übrigens einen langen Eintrag bei der Wikipedia.
In einem Artikel echauffiert Scheil sich darüber, dass der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges als deutscher Überfall auf Polen bezeichnet wird. Ja, wie soll man das, was da am 1. September 1939 passiert ist, denn sonst nennen?
Scheil vertritt die These, dass die deutsche Regierung von den europäischen Nachbarn - allen voran Polen - zum Krieg gedrängt worden sei. Das Deutsche Reich hätte gar keine andere Wahl gehabt.
Wie bitte? Die deutsche Wehrmacht ist am 1. September 1939 in Polen einmarschiert, hat dort gemeinsam mit Angehörigen der Waffen-SS schlimme Verbrechen an der Zivilbevölkerung verübt, und Stefan Scheil kommt daher und behauptet, das deutsche Reich hätte zwangsläufig so handeln müssen, weil es keine andere Wahl gehabt hätte.
Das ist sehr wohl der Versuch, die Verantwortung für den Ausbruch des Krieges von Deutschland weg auf andere Staaten, allen voran Polen, zu schieben. Das ist sogar der Versuch, die Verantwortung für deutsche Gräueltaten auf andere Staaten zu schieben. Und damit relativiert Stefan Scheil sehr wohl den Nationalsozialismus. In all seinen Artikeln unterschlägt er nämlich eben jene Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die Anghörige der Wehrmacht und der Waffen-SS in Polen verübt haben. Er tut so, als hätte es diese Verbrechen gar nicht gegeben.
Ich verweise hier noch auf einen Artikel bei der Wochenzeitung "Welt".
http://www.welt.de/kultur/article4439020/Allein-Hitler-war-am-Zweiten-Weltkrieg-schuld.html
Wenn ich von "antipolnischen" Tendenzen in der JF spreche, dann meine ich damit nicht deren Berichterstattung über polnische Autodiebe, sondern eben jenes revisionistische Geschichtsbild, das in der JF verbreitet wird. Da ich nirgends etwas über polnischen Autodiebe geschrieben habe, ist Ihr Rassismusvorwurf unhaltbar."
Nun kann man tatsächlich nicht sagen, dass Scheil Polen die alleinige Schuld am Zweiten Weltkrieg gibt. Meine Formulierung in meinem ersten Kommentar war da wirklich überspitzt und drückt doch eher meinen Ärger über die revisionistischen Geschichtsbilder aus. Dennoch versucht Scheil ganz klar, die Verantwortung für den Ausbruch des Krieges von Deutschland weg auf andere Staaten, allen voran Polen zu schieben. Nun ist Stefan Scheil nicht die JF, aber die JF bietet ihm eine Plattform. Mein Vorwurf an die JF ist also weder infam noch unwahr. Die JF vertritt ein revisionistisches Geschichtsbild, das die Verantwortung für den Zweiten Weltkrieg von Deutschland weg auf andere Staaten, besonders auf Polen schiebt. Im Übrigen gibt es auch noch etliche andere Historiker, die meine Einschätzung zu Stefan Scheil und zur JF teilen.
Nun bin ich mal gespannt, ob ich noch eine Antwort auf meinen Zweiten Kommentar bekomme.
Eigentlich sollte mein Blog ja ein verbindendes Blog sein und ich wollte mich nicht allzu sehr mit kontroversen Themen aufhalten. Aber da ich mich im Rahmen meiner Dissertation ja mit vielen verschiedenen Meinungen und Geschichtsdeutungen auseinandersetzen muss, kannte ich die JF und ihre Thesen. Und da es auch noch um einen polnischen Priester ging, hat es mir irgendwie in den Fingern gekribbelt.
Freitag, 2. Oktober 2015
"Und was sagen die Kardinäle Lenin und Engels?"
Auf einer polnischen facebook-Seite wurde einmal eine Interviewäußerung von Reinhard Kardinal Marx gepostet (in polnischer Übersetzung natürlich). Es ging in dieser Äußerung um die Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zum Kommunionempfang, die von Kardinal Marx befürwortet wurde.
Ein polnischer facebook-Nutzer schrieb darunter: "Und was sagen die Kardinäle Lenin und Engels?" Sicher, dieser Kalauer mit dem Nachnamen ist irgendwie auch ein bisschen billig, aber ich habe trotzdem in mich hineingekichert. Die Frage "Und was sagen die Kardinäle Lenin und Engels?" stellen Kardinal Marx (oder zumindest seine Äußerungen) natürlich in eine bestimmte politische Ecke (und dieses In-eine-bestimme-Ecke-stellen ist ja auch nicht unproblematisch). Da es die Kardinäle Lenin und Engels aber gar nicht gab, macht die Frage ja auch irgendwie deutlich, dass man die Äußerungen des Kardinals nicht weiter ernst nehmen muss.
Genau deswegen war diese Frage das erste, was mir einfiel, als ich von der Pressekonferenz hörte, bei der Kardinal Marx im Grunde genommen sagte, katholische Blogger seien blöde.
Man verstehe mich nicht falsch, ich möchte gerne in Achtung über unsere Oberhirten sprechen. Zumal ich aus der Erzdiözese Paderborn komme, von eben jenem Reinhard Marx gefirmt wurde und ich damals von seiner Wortgewalt (er predigte frei zu einem Thema, das wir ihm vorgegeben hatten) sowie von seiner "Volksnähe" (er kann bzw. konnte doch sehr gut auf die Menschen zugehen) beeindruckt war.
Was mich an der Aussage stört, ist auch weniger der Inhalt, sondern die für deutsche Bischöfe doch sehr typische Defensivität gegenüber den Medienschaffenden. Im Grunde genommen lässt sich hier mal wieder ein Bischof von einem Journalisten vorführen. Der Bloggerkollege von Huhn meets Ei hat dazu einen sehr differenzierten und treffenden Post verfasst.
Ein polnischer facebook-Nutzer schrieb darunter: "Und was sagen die Kardinäle Lenin und Engels?" Sicher, dieser Kalauer mit dem Nachnamen ist irgendwie auch ein bisschen billig, aber ich habe trotzdem in mich hineingekichert. Die Frage "Und was sagen die Kardinäle Lenin und Engels?" stellen Kardinal Marx (oder zumindest seine Äußerungen) natürlich in eine bestimmte politische Ecke (und dieses In-eine-bestimme-Ecke-stellen ist ja auch nicht unproblematisch). Da es die Kardinäle Lenin und Engels aber gar nicht gab, macht die Frage ja auch irgendwie deutlich, dass man die Äußerungen des Kardinals nicht weiter ernst nehmen muss.
Genau deswegen war diese Frage das erste, was mir einfiel, als ich von der Pressekonferenz hörte, bei der Kardinal Marx im Grunde genommen sagte, katholische Blogger seien blöde.
Man verstehe mich nicht falsch, ich möchte gerne in Achtung über unsere Oberhirten sprechen. Zumal ich aus der Erzdiözese Paderborn komme, von eben jenem Reinhard Marx gefirmt wurde und ich damals von seiner Wortgewalt (er predigte frei zu einem Thema, das wir ihm vorgegeben hatten) sowie von seiner "Volksnähe" (er kann bzw. konnte doch sehr gut auf die Menschen zugehen) beeindruckt war.
Was mich an der Aussage stört, ist auch weniger der Inhalt, sondern die für deutsche Bischöfe doch sehr typische Defensivität gegenüber den Medienschaffenden. Im Grunde genommen lässt sich hier mal wieder ein Bischof von einem Journalisten vorführen. Der Bloggerkollege von Huhn meets Ei hat dazu einen sehr differenzierten und treffenden Post verfasst.
Sonntag, 27. September 2015
Cannstatter Wasen
Heute war ich mit einer Freundin auf der Cannstatter Wasen. (Für alle Nichtschwaben: Das ist quasi das schwäbische Oktoberfest.) Zum ersten Mal.
Nachdem ich schon Kettenkarussell, Sailor und Riesenrad gefahren war, kamen wir an einem Stand mit dem Namen "Mäusezirkus" vorbei. Ich dachte, da wären irgendwelche Plüschmäuse zu sehen. Meine Freundin sagte mir, da wären echte Mäuse zu sehen. Ich verstand es nicht richtig und habe auch gar nicht mitbekommen, dass ich das gar nicht das gar nicht richtig verstanden habe. Ich war wohl schon zu müde. Ich sagte einfach, ich würde mitkommen wollen. Als ich aber den Vorhang zur Seite schob, sah ich, dass es echte Mäuse waren. Sicher, sie waren hinter Glas, aber das wollte ich mir dann doch nicht antun. Meine Freundin meinte dann, sie hätte es mir doch gesagt... Hmpf.
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Musik |
Nachdem ich schon Kettenkarussell, Sailor und Riesenrad gefahren war, kamen wir an einem Stand mit dem Namen "Mäusezirkus" vorbei. Ich dachte, da wären irgendwelche Plüschmäuse zu sehen. Meine Freundin sagte mir, da wären echte Mäuse zu sehen. Ich verstand es nicht richtig und habe auch gar nicht mitbekommen, dass ich das gar nicht das gar nicht richtig verstanden habe. Ich war wohl schon zu müde. Ich sagte einfach, ich würde mitkommen wollen. Als ich aber den Vorhang zur Seite schob, sah ich, dass es echte Mäuse waren. Sicher, sie waren hinter Glas, aber das wollte ich mir dann doch nicht antun. Meine Freundin meinte dann, sie hätte es mir doch gesagt... Hmpf.
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Sailor |
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Kettenkarussell |
Dienstag, 22. September 2015
Voneinander lernen
Vor einiger Zeit habe ich ein Zitat von Birte Müller gepostet. Heute versuche ich zu erklären, was Normalhörende von Hörgeschädigten lernen können. Das ist jetzt nicht so oberlehrerhaft gemeint, wie es klingt. Freilich können auch wir Hörgeschädigte viel von den Normalhörenden lernen.
Ich glaube aber, dass wir Hörgeschädigte in der Kommunikation doch vieles anders machen, als Normalhörende. Und genau dieses andere macht die Kommunikation aus meiner Sicht menschlicher.
1) Volle Aufmerksamkeit
Wenn jemand mit mir redet, muss ich ihn anschauen. Geht auch gar nicht anders, schließlich muss ich von den Lippen absehen. Das bedeutet aber auch, dass ich alle anderen Tätigkeiten einstellen muss. Ich kann nicht nebenher noch Zeitung lesen, Essen kochen, Essen essen, die Wohnung putzen etc. Ich muss mich ganz auf mein Gegenüber konzentrieren.
Über Mutter Teresa wissen wir, dass sie den Menschen, die mit ihr sprachen, ihre ganze Aufmerksamkeit schenkte. So berichtet eine junge Frau:
Ich möchte mich jetzt nicht mit Mutter Theresa gleichsetzen, aber ich denke, wir alle mögen es nicht so sehr, wenn wir das Gefühl haben, unser Gegenüber interessiert sich gar nicht für das, was wir erzählen. Und wir alle freuen uns, wenn wir das Gefühl haben, der andere schenkt uns seine ganze Aufmerksamkeit.
Ich kann durchaus verstehen, dass es praktisch ist, wenn man während dem Reden noch andere Dinge macht, weil es einfach unglaublich viel Zeit spart. Aber vielleicht kann man doch hier und da versuchen, die verschiedenen Dinge nicht gleichzeitig, sondern hintereinander zu machen.
2) Von Angesicht zu Angesicht
Dieser Punkt hängt eigentlich mit dem ersten Punkt zusammen. Was kann man nicht alles vom dritten Stock in den Keller hineinrufen. Oder vom Fenster im dritten Stock zur Eingangstür im Erdgeschoss, oder quer über einen Fußballplatz hinweg. Schwerhörige können das nicht. Ich könnte zwar theoretisch was rufen, würde aber nicht verstehen, was der andere mir antwortet. Also muss ich direkt zum anderen hingehen, wenn ich was von ihm will. Und eigentlich ist das auch höflicher und respektvoller, als dieses Gebrülle über drei Stockwerke. Meistens ist es doch so, dass wir Menschen freundlicher und höflicher mit unserem Gegenüber sprechen, wenn wir ihm dabei in die Augen schauen (müssen).
Gut eine richtige Unterhaltung ist "dieses Gebrülle über drei Stockwerke" ohnehin meistens nicht.
Sicher ist es sehr praktisch, wenn man sich über drei Stockwerke hinweg "unterhalten" kann. Und ja, manchmal sind solche Rufe sogar lebenswichtig und lebensrettend. Das will ich hier gar nicht bestreiten. Aber es gibt eben doch auch Fälle, wo diese Brüllerei über drei Stockwerke überflüssig ist, und eben die Gefahr birgt, dass man sich auf Grund der Distanz schneller mal im Ton vergreift. (Dies wurde übrigens in einem Asterix-Comic sehr schön karikiert. Da streiten sich die Bewohner eines Mietshauses quer durch das ganze Treppenhaus und schleudern sich Beleidigungen um die Ohren.)
3) Wenn alle zuhören und einer spricht...
Wenn Normalhörende sich unterhalten, geht es meistens hoch her. Einer fällt dem anderen ins Wort, niemand lässt den anderen ausreden, von sechs Leuten reden fünf gleichzeitig. Jeder glaubt, das was er sagen möchte sei unglaublich wichtig, weswegen er das unbedingt noch loswerden muss... Und der Schwerhörige sitzt da, und kann gar nichts mehr verstehen.
Gut, auch ich bin hier und da schon einmal einem Gesprächspartner ins Wort gefallen. Auch ich bin davor also nicht gefeit. Aber weil es für mich als Schwerhörige einfach scheiße ist, wenn alles durcheinander redet, versuche ich doch immer, die anderen ausreden zu lassen und erst dann das Wort zu ergreifen. (Das kann allerdings dazu führen, dass ich gar nicht zu Wort komme, irgendeiner redet nämlich immer.) Andere Schwerhörige machen es meistens auch. Wenn wir also unter uns sind, laufen die Gespräche deutlich entspannter ab.
Von Normalhörenden habe ich schon öfter gehört, dass die Diskussionen deutlich menschlicher, freundlicher und zielführender ablaufen, wenn ich dabei bin. Wieso das? Ganz einfach, ich habe eine FM-Anlage. Das ist eine Art Mikrofon, das direkt in mein Hörgerät hineinüberträgt. Bin ich in einer Gruppensitzung dabei, nehme ich die FM-Anlage mit. Sprechen darf dann immer nur der, der das Mikrofon in der Hand hält. Das führt erstens dazu, dass die Normalhörenden sich nicht mehr ständig gegenseitig unterbrechen, sondern einander ausreden lassen. Es ist ja durchaus ein Zeichen von Respekt, wenn man sein Gegenüber ausreden lässt, nicht wahr? Zweitens führt es dazu, dass die Leute sich vor dem Reden mal Gedanken darüber machen müssen, was sie sagen wollen, wie sie das sagen können, und ob das, was sie sagen wollen, wirklich wichtig ist, oder ob man es auch weglassen kann. Schließlich kann man nicht ewig reden, wenn man das Mikrofon in der Hand hält, die anderen Leute wollen ja auch noch zu Wort kommen. (Freilich, die Zeitgenossen, die immer reden und reden und kein Ende finden, finden auch mit dem Mikrofon in der Hand kein Ende, die muss man dann auch mal unterbrechen, sonst hören die nie auf.) So fällt viel überflüssiges Gerede weg und wer sich vorher über seine Worte Gedanken macht, ist meist auch freundlicher.
Ich glaube, wenn Rücksicht auf behinderte Menschen genommen wird, dann wird das Leben für alle Menschen angenehmer. Warum also unterwirft sich die Welt heute immer mehr ökonomischen Zwängen, in denen behinderte Menschen dann als Last angesehen werden?
Ich glaube aber, dass wir Hörgeschädigte in der Kommunikation doch vieles anders machen, als Normalhörende. Und genau dieses andere macht die Kommunikation aus meiner Sicht menschlicher.
1) Volle Aufmerksamkeit
Wenn jemand mit mir redet, muss ich ihn anschauen. Geht auch gar nicht anders, schließlich muss ich von den Lippen absehen. Das bedeutet aber auch, dass ich alle anderen Tätigkeiten einstellen muss. Ich kann nicht nebenher noch Zeitung lesen, Essen kochen, Essen essen, die Wohnung putzen etc. Ich muss mich ganz auf mein Gegenüber konzentrieren.
Über Mutter Teresa wissen wir, dass sie den Menschen, die mit ihr sprachen, ihre ganze Aufmerksamkeit schenkte. So berichtet eine junge Frau:
"Ich hatte den Eindruck, dass es während der Zeit, als Mutter Teresa mit mir sprach, für sie nichts Wichtigeres gab als mich." (Ingeborg Obereder: Unter den Strahlen der Liebe, 2009, S. 14)
Ich möchte mich jetzt nicht mit Mutter Theresa gleichsetzen, aber ich denke, wir alle mögen es nicht so sehr, wenn wir das Gefühl haben, unser Gegenüber interessiert sich gar nicht für das, was wir erzählen. Und wir alle freuen uns, wenn wir das Gefühl haben, der andere schenkt uns seine ganze Aufmerksamkeit.
Ich kann durchaus verstehen, dass es praktisch ist, wenn man während dem Reden noch andere Dinge macht, weil es einfach unglaublich viel Zeit spart. Aber vielleicht kann man doch hier und da versuchen, die verschiedenen Dinge nicht gleichzeitig, sondern hintereinander zu machen.
2) Von Angesicht zu Angesicht
Dieser Punkt hängt eigentlich mit dem ersten Punkt zusammen. Was kann man nicht alles vom dritten Stock in den Keller hineinrufen. Oder vom Fenster im dritten Stock zur Eingangstür im Erdgeschoss, oder quer über einen Fußballplatz hinweg. Schwerhörige können das nicht. Ich könnte zwar theoretisch was rufen, würde aber nicht verstehen, was der andere mir antwortet. Also muss ich direkt zum anderen hingehen, wenn ich was von ihm will. Und eigentlich ist das auch höflicher und respektvoller, als dieses Gebrülle über drei Stockwerke. Meistens ist es doch so, dass wir Menschen freundlicher und höflicher mit unserem Gegenüber sprechen, wenn wir ihm dabei in die Augen schauen (müssen).
Gut eine richtige Unterhaltung ist "dieses Gebrülle über drei Stockwerke" ohnehin meistens nicht.
"Typischerweise ist das, was so stattfindet wohl eher vom Typ Vergiß-nicht, Hast-Du oder vielleicht auch Du-$#*%§!"Manchmal sind das aber auch "Gespräche" vom Typ Bring-mir-mal-ein-Glas-Wasser oder Bring-mir-mein-Brillenetui-mit-hoch. Nicht unbedingt lebenswichtig und vor allem, warum holt der Fragesteller sich sein Wasser oder sein Etui nicht einfach selbst? In den meisten Fällen doch einfach nur, weil er zu faul ist, selbst noch mal hoch- oder runterzulaufen.
Sicher ist es sehr praktisch, wenn man sich über drei Stockwerke hinweg "unterhalten" kann. Und ja, manchmal sind solche Rufe sogar lebenswichtig und lebensrettend. Das will ich hier gar nicht bestreiten. Aber es gibt eben doch auch Fälle, wo diese Brüllerei über drei Stockwerke überflüssig ist, und eben die Gefahr birgt, dass man sich auf Grund der Distanz schneller mal im Ton vergreift. (Dies wurde übrigens in einem Asterix-Comic sehr schön karikiert. Da streiten sich die Bewohner eines Mietshauses quer durch das ganze Treppenhaus und schleudern sich Beleidigungen um die Ohren.)
3) Wenn alle zuhören und einer spricht...
Wenn Normalhörende sich unterhalten, geht es meistens hoch her. Einer fällt dem anderen ins Wort, niemand lässt den anderen ausreden, von sechs Leuten reden fünf gleichzeitig. Jeder glaubt, das was er sagen möchte sei unglaublich wichtig, weswegen er das unbedingt noch loswerden muss... Und der Schwerhörige sitzt da, und kann gar nichts mehr verstehen.
Gut, auch ich bin hier und da schon einmal einem Gesprächspartner ins Wort gefallen. Auch ich bin davor also nicht gefeit. Aber weil es für mich als Schwerhörige einfach scheiße ist, wenn alles durcheinander redet, versuche ich doch immer, die anderen ausreden zu lassen und erst dann das Wort zu ergreifen. (Das kann allerdings dazu führen, dass ich gar nicht zu Wort komme, irgendeiner redet nämlich immer.) Andere Schwerhörige machen es meistens auch. Wenn wir also unter uns sind, laufen die Gespräche deutlich entspannter ab.
Von Normalhörenden habe ich schon öfter gehört, dass die Diskussionen deutlich menschlicher, freundlicher und zielführender ablaufen, wenn ich dabei bin. Wieso das? Ganz einfach, ich habe eine FM-Anlage. Das ist eine Art Mikrofon, das direkt in mein Hörgerät hineinüberträgt. Bin ich in einer Gruppensitzung dabei, nehme ich die FM-Anlage mit. Sprechen darf dann immer nur der, der das Mikrofon in der Hand hält. Das führt erstens dazu, dass die Normalhörenden sich nicht mehr ständig gegenseitig unterbrechen, sondern einander ausreden lassen. Es ist ja durchaus ein Zeichen von Respekt, wenn man sein Gegenüber ausreden lässt, nicht wahr? Zweitens führt es dazu, dass die Leute sich vor dem Reden mal Gedanken darüber machen müssen, was sie sagen wollen, wie sie das sagen können, und ob das, was sie sagen wollen, wirklich wichtig ist, oder ob man es auch weglassen kann. Schließlich kann man nicht ewig reden, wenn man das Mikrofon in der Hand hält, die anderen Leute wollen ja auch noch zu Wort kommen. (Freilich, die Zeitgenossen, die immer reden und reden und kein Ende finden, finden auch mit dem Mikrofon in der Hand kein Ende, die muss man dann auch mal unterbrechen, sonst hören die nie auf.) So fällt viel überflüssiges Gerede weg und wer sich vorher über seine Worte Gedanken macht, ist meist auch freundlicher.
Ich glaube, wenn Rücksicht auf behinderte Menschen genommen wird, dann wird das Leben für alle Menschen angenehmer. Warum also unterwirft sich die Welt heute immer mehr ökonomischen Zwängen, in denen behinderte Menschen dann als Last angesehen werden?
Samstag, 5. September 2015
Spätsommer
Pünktlich zum ersten September sind hier die Temperaturen abgesürzt. Bevor der Sommer also ganz zu Ende geht, gibt es hier noch ein paar sommerliche Eindrücke aus Krakau, Tübingen und Tschenstochau.
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Kontraste |
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Pforte des Kamaldulenserklosters |
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Sommergewitter |
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Jasna Góra |
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Jasna Góra |
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Seifenblasen |
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Wer genau hinsieht, sieht hier ganz viele Leute für ein Eis Schlange stehen. |
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Morgennebel |
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