Jasna Góra

Jasna Góra

Dienstag, 30. Dezember 2014

Menschen, die ihr wart verloren

Menschen, die ihr wart verloren,
lebet auf, erfreuet euch!
Heut ist Gottes Sohn geboren,
heut ward er den Menschen gleich.
Lasst uns vor ihm niederfallen,
ihm soll Preis und Dank erschallen:
Ehre sei Gott, Ehre sei Gott, Ehre sei Gott in der Höhe!

Welche Wunder reich an Segen
stellt euch dies Geheimnis dar!
Seht, der kann sich selbst nicht regen,
durch den alles ist und war!
Lasst uns vor ihm ...

Seht, der Engel Freude weinet
und die ew'ge Weisheit schweigt.
Niedrig in dem Stall erscheinet,
dem sich Erd und Himmel neigt.
Lasst uns vor ihm ...

Seht, der Urquell aller Gaben
leidet solche Dürftigkeit.
Welche Liebe muss der haben,
der sich euch so ganz geweiht!
Lasst uns vor ihm ...

Menschen, liebt und liebt ihn wieder
und vergesst der Liebe nie!
Singt mit Andacht Dankeslieder
und vertraut, er höret sie.
Lasst uns vor ihm ...


Ich schreibe das gerade alles auswendig, es kann also sein, dass ich mit der Reihenfolge der Strophen etwas durcheinander gekommen bin, aber so müsste es im alten Gotteslob im Paderborner Anhang unter der Nummer 831 stehen.

Auf den Kölner Dom ist immer Verlass! Hier werden zwei Strophen des Liedes zum Auszug gesungen:



Auf, Christen singt festliche Lieder

Auf, Christen, singt festliche Lieder
und jauchzet mit fröhlichem Klang!
Es schallet auf Erden laut wieder
süß tönender Jubelgesang.
Im Stalle vor Betlehems Toren
hat mitten in nächtlicher Zeit
Maria die Jungfrau geboren
den Heiland der alle erfreut.

Dies schönste der menschlichen Kinder
ist Gott in die Menschheit gekleidt.
Es hat sich zum Mittler der Sünder
aus göttlicher Liebe geweiht.
Dies große Geheimnis erklären
die Engel den Hirten im Feld.
Sie singen dem Schöpfer zu Ehren,
sie singen vom Frieden der Welt.

O, lasst und in ihre Gesänge
uns mischen mit fröhlichem Ton!
Erwiedern die himmlischen Klänge,
lobsingen dem göttlichen Sohn!
Die Krippe kniefällig umringen,
in welcher der Heiligste liegt.
Die Herzen zum Opfer ihm bringen,
der alles mit Liebe besiegt.



Das ist mal wieder aus meinem Heimatbistum (Paderborn) und leider war es mal wieder schwierig,
ein Video mit der Paderborner Melodie zu finden.
In diesem Video stimmt die Melodie nach meinem Gehör bis Sekunde 37. Danach wird's komisch. Außerdem ist das nicht die komplette erste Strophe, wie übrigens auch ein Kommentator auf YouTube feststellt.
Ich füge den Link trotzdem mal ein, um einen kleinen Höreindruck zu geben.


Mittwoch, 24. Dezember 2014

Heiligste Nacht

Heiligste Nacht. Heiligste Nacht.
Finsternis weichet, es strahlet hinieden
himmlisch und prächtig vom Himmel ein Licht.
Engel erscheinen, verkünden den Frieden.
Frieden den Menschen, wer freuet sich nicht?
Kommet ihr Christen, oh kommet geschwind!
Seht da die Hirten wie eilig sie sind.
Eilt mit nach Davids Stadt,
den Gott verheißen hat,
liegt dort als Kind. Liegt dort als Kind.

Göttliches Kind. Göttliches Kind.
Du der gottseligen Väter Verlangen.
Zweig der dem Stamme des Jesse entsprießt.
Lass dich mit inniger Liebe umfangen.
Sei mir mit herzlicher Demut gegrüßt.
Göttlicher Heiland, der Christenheit Haupt!
Du gibst uns wieder, was Adam geraubt.
Schenkest uns deine Huld.
Sie tilgt die Sündenschuld,
jedem der glaubt. Jedem der glaubt.

Liebreiches Kind. Liebreiches Kind.
Nimm meine Liebe und Reue zur Gabe,
nicht mehr in Sinneslust such ich mein Heil.
Jesus dich lieb ich und wenn ich dich habe,
hab ich den besten den göttlichen Teil.
Ohne dich möge mich nichts mehr erfreun,
denn ich verlange vereinigt zu sein,
nur mit dir Göttlicher,
du bist mein Gott und Herr
und ich bin dein. Und ich bin dein.

Mein Lieblingsweihnachtslied. Im Video aus dem Kölner Dom kann man die erste Strophe hören.
Ich mag besonders die dritte Strophe, ich singe sie oft im Stillen nach dem Kommunionempfang.

Krippen

In Krakau findet alljährlich ein Krippenwettbewerb statt, bei dem die besonderen Krakauer Krippen präsentiert werden.



Dies Krippen enthalten immer Elemente der Krakauer Stadtarchitektur. Außerdem gibt es auch oft patriotische Elemente, wie die Nationalfahne oder den polnischen Adler. Diese patriotischen Elemente waren besonders in der Ära des Kommunismus sehr ausgeprägt, weil sie eine Art Protest gegen die Regierung waren.

Wer noch mehr Krakauer Krippen sehen möchte, wird hier fündig.

Nun will ich aber meine Lieblingskrippe präsentieren. Es ist diese:


Sie wurde im Jahre 1984 in der Stanislaus-Kostka-Pfarrei in Warschau-Zoliborz gebaut. Am 19. Oktober 1984 wurde Jerzy Popieluszko, der Priester in der Kostka-Pfarrei war, vom kommunistischen Geheimdienst verschleppt und ermordet. Er wurde gefesselt und geknebelt und in den Kofferaum verfrachtet und schließlich in die Weichsel geworfen.

Das Auto, das für die Krippe verwendet wurde,entspricht in Farbe und Modell jenem Auto, in dem Popieluszko einführt wurde.

Das Christkind kommt also an den Ort, wo das Unheil passiert ist, an den Ort, wo Jerzy Popieluszko so gelitten hat. Jesus kommt in das Dunkel hinein. Das Heil ist die Frucht des Martyriums. Wie könnte man die christliche Hoffnung schöner und stärker zum Ausdruck bringen als in dieser Krippe.
Die Symbolik ist so stark. 1984 in Polen hat das jeder sofort verstanden.

Übrigens, die Mörder hatten es ja nicht nur auf Popieluszko abgesehen. Sie hatten es auch auf Gott, auf Jesus abgsehen. Und genau der lächelt sie nun aus dieser Krippe wieder an.

In diesem Sinne frohe und gesegnete Weihnachten!

Dienstag, 16. Dezember 2014

Warszawo ma - Eine Liebeserklärung an Warschau

"Warschau. Eine seltsame Stadt. Nicht gemocht. Ständig kritisiert. Voller Unordnung. Abgewendet vom Fluss. Eine Stadt, die nicht sein sollte, aber ist. Schön. Stolz. Geheimnisvoll. Mit einer Atmosphäre, wie sie sonst nirgendwo zu finden ist. Voller Widersprüche." (Agnieszka Grochowska)

Da ich Weihnachten in Polen verbringen werde, platze ich schon vor Vorfreude. Ganz besonders freue ich mich auf Warschau, da bin ich nämlich schon ein Jahr lang nicht mehr gewesen.

Das obige Zitat beschreibt die Stadt wunderbar.
Es stimmt, Warschau ist chaotisch. Warschau ist voller Kontraste. Und viele Leute kritisieren Warschau und preisen Krakau als schönste Stadt Polens an. Auch das stimmt. Krakau ist wunderschön. Krakau ist magisch. Krakau hat ein stolze Geschichte. Und: Das katholische Herz Krakaus schlägt lauter als das in Rom. Sagt jedenfalls ein Krakauer Taxifahrer. Wer sich vom Zauber dieser Stadt erfüllen lassen möchte, wir hier fündig.

Krakau, Marienkirche, Marktplatz


Aber Warschau mag ich auch. Ich mag gerade das Widersprüchliche, das Chaotische, das Gebrochene.
"Kaum ist man dem labyrinthartigen Gewürm im Untergrund des Zentralbahnhofs entkommen und ans Warschauer Tageslicht gelangt, zeigt sich die Stadt wie in einem schrillen Kaleidoskop. Der von den Warschauern geliebt-gehasste Kultrupalast erschlägt mit seinem Bombast, fast ein Gefühl des Schwindels erzeugen gigantische Plakatwände, vorbeihetzende Menschen, himmelsstümende Wolkenkratzer, zwischendurch ein restaurierter Jugenstilpalast oder ein fahlgraues Überbleibsel aus sozialistischer Zeit."(Magdalena Niedzelska/Jan Szurmant: Warschau, Michael Müller Verlag 2010, S. 12.)

Warschauer Skyline

Kulturpalast
Hier sieht man auch diese gigantischen Plakatwände

Ja, Warschau ist chaotisch. Es ist eine hypermoderne Metropole mit allen Licht- und Schattenseiten. Es ist eine Stadt voller Kontraste, ein Stadt, wo West und Ost, arm und (neu-)reich, Tradition und Moderne aufeinander prallen. Aber Warschau ist auch eine Stadt, die wie keine andere aus dem Martyrium heraus lebt. Die Tragik ihrer Geschichte macht die besondere Atmosphäre dieser Stadt aus.

Am 1. August 1944 begann der Warschauer Aufstand. Es war ein Aufstand, der sich einerseits gegen die deutschen Okkupanten richtete, die die Stadt immer noch besetzt hielten. Andererseits richtete sich der Aufstand auch gegen die Rote Armee, die bereits am anderen Weichselufer stand und sich anschickte, ganz Osteuropa unter sowjetische Kontrolle zu bringen. Die Armia Krajowa, die den Aufstand organisierte, kämpfte also für ein unabhängiges Polen, das frei von Deutschland und eben auch frei von der Sowjetunion ist. Der Zeitpunkt für den Aufstand schien gut gewählt, weil die deutsche Armee sich bereits auf dem Rückzug befand und in Kämpfe gegen die Rote Armee verwickelt war. Doch dann stellte die Rote Armee ihr Feuer gegen die Deutschen ein und gab den Deutschen so die Chance, den Warschauer Aufstand niederzuschlagen.
Nach 63 Tagen wurde der Aufstand niedergeschlagen, die Kämpfer der Armia Krajowa wurden in verschiedene Lager deportiert. Die Bevölkerung Warschaus (also die wenigen, die noch da waren) wurde evakuiert. Dann begannen die Deutschen, die Stadt systematisch in Schutt und Asche zu legen. Warschau und sein Geist der Freiheit sollten nicht mehr existieren. Als die Rote Armee schließlich in Warschau einmarschierte, gab es kein Warschau mehr.

Vor der Heilig-Kreuz-Kirche in Warschau steht ein kreuztragender Christus. Bereits während des Krieges galt dieser Christus als Symbol für das leidende Polen. Durch die Gefechte während des Aufstandes wurde die Staue beschädigt und fiel auf die Straße. Das Foto davon ging um die Welt und der gefallene Christus wurde zum Symbol für das gefallene Warschau.

So sieht er heute aus...

Ein noch schöneres Foto vom kreuztragenden Christus gibt es hier.

...und so sah er 1944 aus.


Schauen wir uns noch kurz an, was Johannes Paul II. 1979 in seiner Predigt auf dem Siegesplatz in Warschau (heute Pilsudskiplatz) sagte:
"Es ist unmöglich, diese Stadt, Warschau, die Hauptstadt Polens, die sich im Jahre 1944 auf einen ungleichen Kampf gegen den Aggressor einließ - einen Kampf, bei dem die verbündeten Mächte sie im Stich ließen, einen Kampf, in dem sie unter ihren eigenen Trümmern begraben wurde -, es ist unmöglich, diese Stadt zu verstehen, wenn man sich nicht daran erinnert, daß unter diesen Trümmern auch Christus, der Erlöser, mit seinem Kreuz lag, der sich heute vor der Kirche in Krakowskie Przedmiescie befindet."

Am Ende siegte der polnische Trotz: Die Stadt wurde originalgetreu wieder aufgebaut. Manche Gebäude, wie etwa das Warschauer Schloss, wurden erst in den 1980er Jahren wieder errichtet. Die Stadt stieg im wahrsten Sinne des Wortes wie Phönix aus der Asche. Das ist einmalig in der Geschichte.

Schlossplatz in Warschau. Die Kirche in der Mitte ist die Kathedrale.

Blick auf das Schloss

Sigismundsäule. Und die Dame mit der roten Mütze bin ich.
 
Auch die Sigismundsäule ist ein Symbol für die Wiedererstehung Warschaus. Ich weiß nicht, ob man das sehen kann: Der gute Sigismund hält ein Kreuz in seiner linken Hand. Diese Säule ist also in zweierlei Hinsicht ein Siegessymbol. Einmal wegen dem Kreuz, das für uns Christen ja kein Schreckens- sondern ein Siegessymbol ist, und einmal, weil diese Säule eben auch den Wiederaufstieg Warschaus symbolisiert.

Inzwischen wird jedes Jahr am 1. August eine Schweigeminute eingelegt, die an den Aufstand erinnern soll.



Am Abend treffen sich die Warschauer und singen Lieder aus der Zeit des Aufstandes. Eines von den Liedern heißt "Warszawo ma" ("Oh, du mein Warschau"). Ihr findet es hier.

Vor dem Krieg galt Warschau als Paris des Ostens. Heute ist es auf dem besten Wege, wieder Paris des Ostens zu sein. Und welche Stadt könnte die Geschichte Polens besser wiederspiegeln, als Warschau, das letztlich ein lebendes Denkmal ist? Und hat die Geschichte Warschaus nicht auch eine unglaublich hoffnungsvolle Botschaft? Es ist eine Stadt, die sich während des Krieges wie keine andere Stadt in Europa mit dem leidenden Christus identifiziert hat. Es ist eine Stadt, die wie keine andere in Europa der Vernichtung preisgegeben war. Und heute lebt und blüht diese Stadt.

Also: Schluss mit Paris, Barcelona, Mailand etc.! Fahrt lieber nach Osten! Ex Oriente Lux!

Montag, 15. Dezember 2014

Erbsünde

Gestern abend saß ich in geselliger Runde mit evangelischen Glaubensgeschwistern.
Irgendwie kam das Gespräch dann auf das Dogma der Unbefleckten Empfängnis und dadurch dann auf die Erbsünde. Zwei Kollegen überlegten, wie sich die (Erb-)Sünde vererbt.
Ich habe nicht viel verstanden (vielleicht war das auch besser so), konnte aber doch heraushören, dass die beiden Herren das Konzept von der Erbsünde lächerlich finden.

Wie sich Erbsünde vererbt, weiß ich jetzt auch nicht. Aus meiner Sicht ist das auch gar nicht erklärungsbedürftig. Wenn ich mich in der Welt so umschaue und sehe, wie unheil sie oft ist, dann ist es für mich völlig klar, dass es die Erbsünde gibt.

Leider habe ich jetzt so auf die Schnelle das Zitat nicht gefunden, ich weiß aber, das Jan Roß in seiner Biographie über Johannes Paul II. an einer Stelle sinngemäß schreibt, dass die Lehre von der Erbsünde die einzige sinnvolle Erklärung für die Schrecken des 20. Jahrhunderts sei. Und das schreibt einer, der sich selbst als Agnostiker bezeichnet.

Ich finde, das hat Jan Roß schön gesagt. Ich selbst setzte mich in meiner Dissertation mit den Schrecken des 20. Jahrhunderts auseinander. Diese Beschäftigung hat mir nächtelange Albträume, Depressionen und Angststörungen beschert (wobei letzteres natürlich auch daran liegt, dass ich ohnehin eine eher labile psychische Gesundheit habe). Jedenfalls habe ich aber auf diese Weise die Sache mit der Erbsünde noch einmal ganz neu verstanden: Da sind vor mehr als 70 Jahren grausame Verbrechen verübt worden, und das Unheil, das so in die Welt gekommen ist, holt uns heute immer noch ein.

Und ich habe an dieser Stelle auch noch einmal ganz neu verstanden, welche Gnade sich hinter dem Begriff "Sühne" verbirgt.

3. Advent

Da ich am Wochenende sehr beschäftigt war, kommt der Gruß zum dritten Advent etwas verspätet.

Wir sagen euch an den lieben Advent,
sehet die dritte Kerze brennt.
Nun tragt eurer Güte hellen Schein
weit in die dunkle Welt hinein.
Freut euch, ihr Christen,
freuet euch sehr!
schon ist nahe der Herr.

Montag, 8. Dezember 2014

Outdoorkleidung

Als ich heute beim Postillon diesen Artikel las, musste ich sehr lachen!
Ich mache mich selber immer darüber lustig, dass die Leute hier in Deutschland immer und überall diese Outdoorkleidung tragen, auch dann, wenn sie im warmen, trockenen Auto sitzen.

Besonders lustig finde ich immer deutschen Frauen, die am Sonntag in Jeans, Turnschuhen und Outdoorjacke in die Kirche kommen. Ich finde das einfach unglaublich unpassend. In Polen sind die Frauen sind immer sehr schön und stilvoll gekleidet und es gibt in Polen tatsächlich noch so etwas wie einen Sonntagsstaat. Auch tragen polnische Frauen gerne Kleider und Röcke und sogar auch noch Hüte (auch junge Frauen tragen in Polen manchmal Hut!). Vor allem die Warschauerinnen sind sehr anmutig und elegant.

(Damit es jetzt nicht heißt, ich sei frauenfeindlich: Auch bei Männern finde ich Outdoorkleidung und Turnschuhe am Sonntag in der Kirche unpassend. Bei den Frauen fällt es mir nur immer sehr unangenehm auf, weil der Kontrast zu den polnischen Frauen so stark ist.)

Matthias Matussek hat sich in einem Artikel über den Katholikentag in Mannheim ebenfalls sehr belustigt über die deutsche Manie, ständig Outdoorkleidung zu tragen: http://www.vatican-magazin.de/index.php/magazin/heftarchiv/2012/16-magazin/aktuell/weitere-artikel/118-deutsche-nationalkirche-62012

Sonntag, 7. Dezember 2014

Serce Jezusa - Herz Jesu

Oh heiligstes Herz Jesu,
Quelle: hier
ich hoffe und vertraue auf Dich.



Dieses Foto wollte ich schon
längst mal gepostet haben.
Diese Herz-Jesu-Statue ist mein
absoluter Favorit unter den Herz-Jesu-Statuen.
Sie steht in Jasna Góra/Tschenstochau in
einer Seitenkapelle der Basilika.

Wer noch mehr Bilder sehen will, wir hier fündig.

Einen gesegneten zweiten Adventsonntag!

Wir sagen euch an den lieben Advent.
Sehet die zweite Kerze brennt.
So nehmet euch eins um das andere an,
wie auch der Herr an uns getan.
Freut euch, ihr Christen, freuet euch sehr!
Schon ist nahe der Herr.

Donnerstag, 4. Dezember 2014

Immer nur dasselbe?

Es gibt ja Leute, die sich daran stören, dass die Heilige Messe immer gleich abläuft. Langweilig, verknöchert, sagen sie. Immer nur die alte Leier.

Ich als Schwerhörige kann diese Kritik überhaupt nicht nachvollziehen. Für mich ist es ein unglaublicher Segen, dass die Heilige Messe immer die gleiche Struktur hat, das bestimmte Gebet immer an derselben Stelle gesprochen werden. Es ist für mich ein Segen, dass die Heilige Messe immer mit dem Kreuzzeichen und "Im Namen des Vaters ..." begonnen wird. Auch die Gesten des Priesters an bestimmten Stellen (zum Beispiel das Hochhalten des Evangeliars nachdem das Evangelium gelesen wurde) sind für mich ein Segen.

Warum? Nun, ich bin jetzt 29 Jahre alt, gehe von der Pike auf jeden Sonntag in die Heilige Messe. Auch wenn man schwerhörig ist, kennt man mit der Zeit den Ablauf der Heiligen Messe. Es gibt immer mal wieder lichte Momente, wo man plötzlich versteht, was der Pfarrer da sagt und was die Gemeinde antwortet. Und die Gebete, die ich von Zuhören einfach nicht lernen konnte, weil ich es nicht verstand, habe ich im Schott nachgeschlagen. Das heißt, dank der immer gleichen Struktur kann auch ich als Schwerhörige einer Heiligen Messe gut folgen und ich weiß immer, bei welchem Teil der Messe wir nun gerade sind, auch dann, wenn ich akustisch einmal gar nichts verstehe. Dennoch kann ich immer an der Messe teilhaben.

In meinem Post zum Thema "Barock" habe ich bereits ein wenig erläutert, wie wichtig für mich auch die anderen Sinne sind, und wie sehr ich es schätze, wenn die Heilige Messe "gut katholisch" mit Weihrauch und schönem Messgewand gefeiert wird. Wie sehr ich es schätze, wenn die Gebete auch einmal gesungen werden. All diese Dinge helfen mir, an der Heiligen Messe teilzuhaben.

4 oder 5 Besuche in evangelischen Gottesdiensten berechtigen mich jetzt nicht zu weitreichenden Schlussfolgerungen, auch in Anbetracht der vielen Denominationen, die es gibt. Allerdings hatte ich in den Gottesdiensten, die ich besucht habe, sehr große Schwierigkeiten mitzukommen. Es ist nicht immer und überall die gleiche Struktur, es gibt keinen Schott, wo man den Ablauf und die Gebete nachschlagen kann, es ist nicht immer klar, wann man aufsteht und wann man sitzt, es gibt keine schönen Messgewänder. Meist gibt es auch keine schönen Bilder mit Glaubensinhalten, mit denen man sich die Zeit vertreiben kann, wenn man mal nichts versteht. Es gibt auch keinen Tabernakel, das heißt, man kann auch keine stille Anbetung halten, wenn man mal nichts versteht. Einmal glaubte ich sogar, mich zu einer standesamtlichen Hochzeit verirrt zu haben, weil die Hochzeit auf einem Schloss stattfand und der Priester gar kein Gewand trug, sondern in Anzug und Krawatte da stand. Es sollte aber wirklich eine kirchliche Hochzeit sein. Auch erinnere ich mich an einen Gottesdienst an Heilig Abend, wo die Kirche in ein Theater umgewandelt worden war und wo bei schummriger Beleuchtung ein Theater stück aufgeführt wurde, in dem Tücher eine wichtige Rolle spielten. Was das Theaterstück mit Weihnachten zu tun haben sollte, war leider nicht ersichtlich.

Man verstehe mich nicht falsch, ich möchte mit diesen Worten nicht die evangelischen Gottesdienste bashen. Ich möchte nur deutlich machen, dass die feste Struktur katholischer Messen mir eine sehr große Hilfe ist, um an der Messe teilhaben zu können. Ich bin sehr dankbar, für die "immer selbe Leier".

Man kann sich vorstellen, dass ich aus diesem Grund mit Grausen sehe, dass manche katholische Priester (und/oder Laien) außerordentlich bemüht sind, die Heilige Messe "kreativ" zu gestalten. Da kommt man nicht mehr im schönen Messgewand mit Christusmongramm, sondern nur noch in kartoffelsackartiger Kutte und schmalstmöglicher Stola (am besten Batik). Da wird kein Weihrauch mehr verwendet. Da werden die liturgischen Gesten auf ein Minimum reduziert. Da bringt man selbstgebastelte Gebetchen an, die sich in keinem Schott nachschlagen lassen. Da wird kein Agnus Dei mehr gebetet, sondern irgendein liebliches Friedensliedchen gesungen. Da soll man zu Beginn der Messe seinem Sitznachbarn die Hand schütteln und sich vorstellen. Da wird plötzlich statt der Lesung Theater gespielt, oder es wird nicht die vorgeschriebene Lesung genommen, sondern irgendein Text aus irgendeinem literarischen Werk gelesen. Da kann ich als Schwerhörige gar nicht mehr an der Messe partizipieren.

Für mich ist die Heilige Messe kein Event, wo man sich selbst verwirklichen kann. Für mich ist die Heilige Messe ein Ort der Gottesbegegnung. Sie ist ein Stück Himmel auf Erden. In einer würdevoll gefeierten Heiligen Messe treten wir Menschen zurück und Gott tritt hervor. Wenn allerdings in der Heiligen Messe Theater gespielt wird oder irgendwelche selbtgebastelten Gebetchen verwendet werden, funktioniert das nicht mehr, weil dann der Mensch zu stark hervortritt und Gott den Platz streitig macht.

Bei den Messgewändern verhält es sich übrigens ähnlich. Wenn der Priester ein schönes Messgewand trägt (vielleicht sogar mit Christusmonogramm oder Lamm Gottes), dann kann ich durch das Gewand hindurch auf Gott schauen. Das Gewand ist der Schlüssel oder das Fenster zum Himmel. Der Priester tritt zurück und Gott tritt hervor. Wenn der Priester nur eine Kutte trägt, funktioniert das nicht. Das ist dann quasi ein milchiges Fenster, durch das man nicht hindurchschauen kann.

Sonntag, 30. November 2014

Tajemnica Tajemnic

Tajemnica Tajemnic - auf deutsch: Geheimnis der Geheimnisse - ist ein Film über die Bedeutung, die der Wallfahrtsort Jasna Góra (Tschenstochau) für die Geschichte Polens im 20. Jahrhundert hatte. Konrad Adenauer soll ja einmal gesagt haben, dass die eigentlichen Hauptstädte dieser Welt nicht Bonn, Paris oder Washington sein, sondern die großen Wallfahrtsorte Fatima, Lourdes etc. So auch Tschenstochau.

Leider gibt es den Film nur auf polnisch, vielleicht sollte ich mal ein Übersetzungsbüro aufmachen.
Die beeindruckenden Bilder dürft ihr euch trotzdem anschauen:

 


Der Film geht der Frage nach, warum es dem Kommunismus nicht gelungen ist, die polnische Kirche niederzuringen. Die Antwort auf diese Frage hängt zusammen mit dem Schicksal Kardinal Wyszynskis, der 1953 verhaftet wurde und der sein Leiden für die polnische Kirche aufopferte. Die Antwort hängt zusammen mit einer feierlichen Weihe Polens an Maria, die am 26. August 1956 von mehr als 1 Mio Menschen in Jasna Góra vollzogen wurde. Den Text dieser Weihe hatte der damals noch inhaftierte Kardinal Wyszynski verfasst. 

Advent

Wir sagen euch an den lieben Advent.
Sehet die erste Kerze brennt.
Wir sagen euch an eine heilige Zeit.
Machet dem Herrn die Wege bereit.
Freut euch, ihr Christen,
freuet euch sehr!
Schon ist nahe der Herr.

Donnerstag, 27. November 2014

Spionage

Schwerhörigkeit muss ja auch mal Vorteile haben:
Am Dienstag in der Abendmesse war ein Priester aus einer anderen Stadt bei uns. Er sprach ein bisschen zu leise. Daher sprang das Mikrofon nicht an (es gibt ja Mikros, die sich nur dann einschalten, wenn man mit einer gewissen Lautstärke in sie hineinspricht).
Vor dem Kyrie sah ich, wie der Ministrant dem Priester sagte: "Bisschen lauter sprechen." Ich bin mir ziemlich sicher, das ich die einzige bin, die das verstanden hat :)

Schaffner

Eine meiner Lieblingsstellen in Steffen Möllers Buch "Viva Polonia" ist die Stelle mit dem Schaffner:

"Als unser Zug in Hannover hielt, schauten wir durchs Waggonfenster auf den Bahnsteig und beobachteten den deutschen Schaffner. "Siehst du, er hat einen anderen Gang als der Pole", raunte mir Isabell ins Ohr. Und tatsächlich, während der polnische Schaffner, den wir bis zur Grenze beobachtet hatten, flink und unscheinbar an den Waggons entlanggeeilt war, hatte sein deutscher Kollege einen behäbigen , breitwatschelnden Dienstgang und eine finstere Miene, mit der er freche Passagiere zur Raison brachte." (Steffen Möller: Viva Polonia. Als deutscher Gastarbeiter in Polen, Frankfurt a. M. 2008, S. 116)

Meine Geschichte mit dem deutschen Schaffner geht so: Ich fuhr eines Tages mal wieder in meine Heimat. Ich saß im Zug von Frankfurt nach Gießen. Da es in dieser Zeit den Direktzug von Fankfurt nach Siegen nicht mehr gab musste ich in Gießen noch einmal umsteigen. Die Umstiegszeit betrug 6 Minuten. Nun hatte unser Zug bereits 10 Minuten Verspätung. Der Schaffner kam in unseren Waggon - behäbiger Gang, dröhnende Stimme - und sagte, er würde noch eine Lautsprecherdurchsage machen, ob der Anschluss nach Siegen in Gießen wartet oder nicht. Ich sagte ihm, dass ich schwerhörig sei und die Durchsage nicht verstehen könne. Im ICE habe im Verspätungsfalle bisher immer sehr gute Erfahrungen gemacht. Die Schaffnerinnen (!) waren immer sehr hilfsbereit und haben mir die Info auf einen Zettel geschrieben haben, den sie mir an meinen Platz brachten! Und das obwohl ich ihnen immer angeboten habe, zum Dienstabteil mitzugehen, damit sie nicht mehrmals laufen müssen.

Im Regionalzug muss man in Sachen Service wohl Abstriche machen. Ich sagte also, ich sei schwerhörig und könne die Durchsage nicht verstehen. Der Schaffner schaute, schaute und brüllte dann: "Aber sie sitzen doch unter dem Lautsprecher!" Um die Diskretion ist es in Deutschland ohnehin schon sehr schlecht bestellt (jedenfalls aus polnischer Sicht betrachtet), dann gibt es in deutschen Zügen ja keine Abteile mehr, die wenigstens ein bisschen Diskretion garantieren würden, nein, es gibt Großraumabteile und auf das Gebrüll des Schaffners hin drehten sich natürlich sämtliche im Großraumwagen befindlichen Leute nach mir um. Super! Ich wollte ihm dann noch erklären, dass Lautprecher keine Lippen haben, von denen man absehen kann, aber der Schaffner hörte schon gar nicht mehr zu. Er zeigte auf einen jungen Mann, der hinter mir saß und brüllte: "Aaach, hier sitzt doch ein netter junger Mann. Der hilft ihnen bestimmt!" Verkuppeln wollte er mich also auch noch.

Man verstehe mich nicht falsch, ich habe nichts dagegen, mir von anderen Mitreisenden helfen zu lassen. Die Schaffner haben ja auch zu tun. Der "nette junge Mann" hat mir die Info, die ich brauchte, ja auch gesagt. Aber war es wirklich nötig, mit dem Gebrüll den ganzen Großraumwagen aufzuschrecken?

Deswegen nutze ich hier einmal die Gelegenheit um zu sagen:
Man muss im Gespräch mit Schwerhörigen nicht schreien! Natürlich sollte man im Gespräch mit uns nicht flüstern, aber normale Gesprächslautstärke genügt. Schreien bewirkt nämlich oft, dass wir wieder schlechter hören, weil Schreien die Laute verzerrt und weil das Mundbild dann auch verzerrt ist. Was wir brauchen, ist eine deutliche Aussprache. Und wir müssen das Mundbild sehen können. Also Hände weg vom Mund!

Obiger Schaffner kann also in Zukunft seine Stimmbänder schonen, wenn er mit Hörgeschädigten spricht. Und sich vielleicht bei den sehr diskreten und sehr hilfsbereiten polnischen Kollegen eine Scheibe abschneiden.

Mittwoch, 26. November 2014

Bogurodzica




Bald ist Weihnachten!
Bogurodzica bedeutet auf deutsch Gottesgebärerin.

Das Lied ist eine der schönsten polnischen Hymnen. Es ist der älteste überlieferte Text in polnischer Sprache. Daher ist das Lied heute noch Bestandteil des Lektürekanons an polnischen Schulen!

Es wird jeden Abend beim Abendgebet in Jasna Góra/Tschenstochau gesungen.

Singt dem König Freudenpsalmen II

Da der Wunsch geäußert wurde, gibt es hier das Lied "Singt dem König Freudenpsalmen" nun vollständig mit allen 5 Strophen. Ich habe noch versucht, auf YouTube ein Video mit der Melodie zu finden, konnte aber nicht fündig werden. Wobei ich dazu sagen muss, dass ich als Schwerhörige so meine liebe Mühe und Not mit dem modernen/professionellen (?) Orgelspiel habe, weil ich da absolut überhaupt gar keine Melodie raushören kann. Der Organist in meiner Heimat (ein einfacher, bodenständiger Mann) hat immer so gespielt, dass auch ich die Melodie des Liedes raushören konnte. So konnte auch ich mitsingen, weil ich mich an der Orgel orientieren konnte. Und an Fronleichnam hat sowieso die Musikkapelle gespielt. Schön klassisch! Die Organisten hier in der feinen "Neckarmetropole" hingegen (von denen einige professionelle Musiker sind) orgeln immer so komisch. Da kann ich nicht mitsingen, zumal ich mir sowieso nicht sicher bin, ob ich überhaupt richtig singen kann, weil ich mir eben nicht sicher bin, ob ich das richtig höre. Eben deswegen brauch ich die Orgel als Orientierung. Was ich nämlich sehr gut höre, ist, wenn es schief klingt :)



Hier also der Text (5 Strophen) ohne Musik:

Singt dem König Freudenpsalmen, kommet alle Völker her!
Fronleichnam in meiner Heimat

Salem, streu ihm deine Palmen, sieh, dein Friedensfürst ist er!
Dieser ist von Davids Samen, Gottes Sohn von Ewigkeit;
der da kommt in Gottes Namen, er sei hoch gebenedeit!
Jesu, König, Gott und Herr, dir sei Glorie, Preis und Ehr!

David sah, im Geist entzücket, den Messias schon von fern,
ihn der alle Welt beglücket, den Gesalbten, unseren Herrn;
Tochter Sion, streu ihm Palmen, breite deine Kleider aus,
sing ihm Lieder, sing ihm Psalmen, heut beglückt er hoch dein Haus!
Jesu, König Gott und Herr, dir sei Glorie, Preis und Ehr!

(Strophe 3 und 4 gibt es hier)

Alle Welt rühmt Gottes Stärke, groß und klein vereinigt sich
in dem Lobpreis deiner Werke, Berg und Täler preisen dich;
Wald und Felder, Fluß und Meere, alles, was das lebt und webt,
jauchzt und kündet deine Ehre, die auf ewig nicht vergeht!
Jesu, König, Gott und Herr, dir sei Glorie, Preis und Ehr!



Das ist im Gotteslob vom 1975 die Nummer 847 im Paderborner Anhang. Der Text ist aus dem Salzburger Gesangbuch von 1783, wurde aber von Freidrich Kienecker 1973 überarbeitet. Die Melodie ist von Melchior Rudolf Herold 1808.

Dienstag, 25. November 2014

Singt dem König Freudenpsalmen

Eines meiner Lieblingslieder ist das Lied "Singt dem König Freudenpsalmen" wie es im Paderborner Anghang des Gotteslobs von 1975 steht.

Katedra Wawelska - Wawelkathedrale

Sion, schaue deinen König, sieh voll Sanftmut ihn dir nahn!
Völker, seid ihm untertänig, ihm der allen wohlgetan!
Den die Himmel tief verehren, dem der Engel Chor lobsingt,
dessen Ruhm sollt ihr vermehren, da er euch den Frieden bringt!
Jesu, König, Gott und Herr, dir sei Glorie, Preis und Ehr!

Engel, die am Himmelsthrone schaun des ewgen Gottes Macht,
Mächte, Kräfte, die dem Sohne liebend dienen Tag und Nacht.
Preist den Herrn ihr Himmelshöhen, singt sein Lob zu jeder Zeit.
Wenn die Welten einst vergehen steht sein Reich in Ewigkeit.
Jesu, König, Gott und Herr, dir sei Glorie, Preis und Ehr!

(3. und 4. Strophe)

Sonntag, 23. November 2014

Christkönig


"Gelobt seist du Herr Jesus Christ,
ein König aller Ehren;
dein Reich ohn alle Grenzen ist,
ohn Ende muß es währen.
Christkönig, Halleluja, Halleluja.

Das All durchtönt ein mächtger Ruf:
Christ A und O derWelten!
Das Wort, das sie zu Anfang schuf,
wird bis ans Ende gelten.
Christkönig, Halleluja, Halleluja."


Nebenstehendes Foto zeigt ein Kruzifix,
das im Herbst 1944 nach der Zerstörung
Warschaus aus den Trümmern geborgen wurde.
Heute hängt es in einem Museum der Militärkathedrale in Warschau.

Alles barrierefrei?

Vergangenen Dienstag war ich an der VHS, wo ich einen Vortrage besucht habe. Der Vortrag fand im Saal der VHS statt. An der Tür des Saales hing groß und breit ein Schild mit folgendem Symbol:



Dieses Symbol bedeutet, dass in dem Raum eine Induktionsanlage vorhanden ist, die und Schwerhörigen barrierefreiese Verstehen ermöglicht. In den Boden ist eine Magnetschleife eingelassen und man muss sein Hörgerät auf T stellen. Dann überträgt die Magnetschleife das Gesprochene direkt ins Hörgerät und man kann den Sprecher wunderbar verstehen. Vorausgesetzt, dieser trägt ein Mikrofon (ich meine jetzt ein normales Mikrofon für alle). Die Induktionsalage funktioniert im Zusammenspiel mit einer normalen Lautsprecheranlage.
Eine Induktionsanlage ist vor allem dann sinnvoll, wenn mehrere Hörgeräteträger in einem Vortrag sitzen. Wäre da keine Induktionsanlage, müsste jeder Hörgeschädigte seine FM-Anlage auspacken, was bedeutet, dass der Referent 3,4,5... Mikrofone tragen müsste.

Auf dem Schild stand also geschrieben: Dieser Raum ist mit einer Induktionsanlage ausgestattet Bitte stellen Sie ihr Hörgerät auf "T". Oder so ähnlich. Ich freute mich. Wenn es nämlich ein einem Raum eine Induktionsanlage gibt, bedeutet das für mich barrierefreies Hören. Dann kann ich nämlich auf meine FM-Anlage, die ich ja normalerweise bei Vorträgen immer benutze (und die ja eben nur für mich ist, weil ich die Empfänger am Hörgerät habe), verzichten. Das bedeutet, ich brauch nicht vor aller Augen nach vorne zu gehen und den Referenten oder die Referentin bitten, meine FM-Anlage zu benutzen. Ich brauche nicht zu erklären warum, wieso, weshalb ich das brauche, warum, wieso, weshalb es nicht ausreicht, wenn ich einfach in der ersten Reihe sitze etc. etc. Ich kann mich einfach mal ganz anonym in den Raum begeben, mich sogar ganz anonym in die allerletzte Reihe setzen, so wie die Guthörenden das immer machen, und einfach nur mein Hörgerät auf T stellen und schon höre ich gut. Großartig!

Dachte ich jedenfalls. Allerdings trug die Referentin kein Mikrofon und ich ahnte, dass es mit dem barrierefreien Hören nichts werden würde. Und tatsächlich, als ich mein Hörgerät auf T stellte, tat sich nichts. Ich konnte zwar an einem Geräusch erkennen, dass eine Induktionsanlage existiert, aber da die Referentin kein Mikro trug, wurde in die Anlage nichts eingespeist, so dass sie auch nichts in mein Hörgerät übertragen konnte.

Also FM-Anlage ausgepackt, Vortrag unterbrochen und die Referentin gebeten, meine FM-Anlage zu benutzen.

Mittwoch, 19. November 2014

Marianna Popieluszko

In Polen werden die Jahrestage ja immer gebührend begangen und da ich nicht nur Barock- sondern auch Polenfan bin, schließe ich mich an: Heute vor einem Jahr starb Marianna Popieluszko, die Mutter des Märtyrerpriesters Jerzy Popieluszko.



Ich war letztes Jahr im Oktober und November in Polen. Am 19. Oktober 2013 war ich in der Warschauer Stanislaus-Kostka-Pfarrei um dort des 29. Jahrestages der Ermordung Jerzy Popieluszkos zu gedenken. Es fand ein Pontifikalamt mit dem Erzbischof von Warschau statt. Ich hatte natürlich auch gehofft, Marianna Popieluszko dort zu sehen. Aber sie war nicht da, obwohl sie normalweise immer kommt. Am 19. November 2013 wusste ich dann, warum sie zum 29. Todestag ihres Sohnes nicht mehr hatte nach Warschau kommen können, sie war schon zu krank.

Im Oktober 2013 hatte ich mir auch das Buch mit dem Titel "Das bewegende Zeugnis der Marianna Popieluszko" von Milena Kindziuk gekauft. Ein sehr interessantes Buch über das Leben von Marianna Popieluszko.

Ich bin bis heute tief beeindruckt von dem tiefen Glauben dieser Frau. Sie hat das Martyrium ihres Sohnes tief im Herzen mitgetragen, mit einem großen Gottvertrauen. Fast so wie die Gottesmutter.

Vielen Menschen ist sie nach dem Tod ihres Sohnes zur Mutter geworden, weswegen sie in Polen sehr oft "Mamo" gerufen wurde. Mama.

Als Jerzy Popieluszko im Juni 2010 selig gesprochen wurde, war Marianna Popieluszko Ehrengast. Es ist in der Kirchengeschichte bisher noch nicht so oft vorgekommen, dass die Mutter eines Seliggesprochenen noch lebte.

Dienstag, 18. November 2014

Vorstellung III

Ich hatte bereits erwähnt, dass es in der Schule (ich war ja an einem "normalen" Gymnasium) nicht immer ganz einfach war. Nicht nur litt ich unter den Lästereien meiner Mitschüler, auch meine Lehrer wussten nicht immer, wie sie mit der Hörbehinderung umgehen sollten.

Im 8. Schuljahr bekam ich endlich meine Mikrolink-Anlage, also jene Anlage, wo der Lehrer sich ein Mikrofon umhängt oder ansteckt, welches dann direkt in meine Hörgeräte überträgt. Mein Ohrenarzt (der ironischerweise Dr. Rausch hieß) riet mir und meinen Eltern dazu. Meine Mutter ging also am Elternsprechtag zu meinem Klassenlehrer, um ihm das zu erklären. Leider besaßen wir zu diesem Zeitpunkt die Anlage noch nicht, so konnte meine Mutter also noch nicht zeigen, wie genau so eine Anlage aussieht.

Jedenfalls war die Reaktion zunächst negativ. Mein Klassenlehrer meinte, wenn mein Gehör so schlecht wäre, dann sollte ich doch besser auf eine andere Schule gehen. So kam meine Mutter also vom Elternsprechtag nach Hause und fragte mich, ob ich in der Schule Probleme machen würde. Das waren so die Momente, wo ich meiner Mutter am liebsten an die Gurgel gegangen wäre. Anstatt den unflexiblen Lehrer davon zu überzeugen, dass der Einsatz einer FM-Anlage doch gar kein Problem sei, suchte meine Mutter die Schuld bei mir. Mir war nicht bekannt, dass ich in der Schule irgendwelche Probleme gemacht hätte, meine Noten waren gut, und brav war ich auch.

Nach einigen Gesprächen mit Akustiker, Ohrenarzt, Mutter meiner Schulfreundin hat meine Mutter dann auch eingesehen, dass das Problem nicht bei mir lag, sondern bei dem Klassenlehrer. Er ließ sich dann doch überzeugen und als er die Anlalge dann auch einmal gesehen hatte, hat er wohl selbst gemerkt, dass es kein Umstand ist.

Meine Englischlehrerin meinte einmal, sie käme sich vor, wie der Moderator beim Frühstücksfernsehen.

Es war auch sehr schwierig, den Lehrern klar zu machen, dass ich bei Hörspielen und Fernsehen einfach total aufgeschmissen bin. Ich muss ja immer von den Lippen absehen, auch wenn ich meine Hörgeräte trage. Ohne Absehen kann ich nichts verstehen. Lippenabsehen bei Hörspielen geht irgendwie nicht, und bei Filmen geht es nur dann, wenn der Film auf deutsch gedreht ist und man die Personen, die sprechen, auch im Bild sehen kann. Kommt die Stimme aus dem off kann man nicht Lippenabsehen. Ist der Film synchronisiert, stimmen Ton und Lippenbild nicht überein.

Gerade im Fremdsprachenunterricht war das immer ein Problem, weil da ja gerne Hörspiele eingesetzt werden und manche Lehrer einfach nicht einsehen wollten, dass ich da einfach nichts verstehen kann. Sie verlangten von mir, dass ich nach dem Hörspiel auch auf Fragen antwortete (worum ging es in dem Stück etc.). Ja, wie soll man denn auf solche Fragen antworten, wenn man gar nichts verstanden hat?

Problematisch wurde es auch, als wir in der 9. Klasse das Thema Film hatten. Wir schauten im Unterricht eine Verfilmung von Dürrenmatts "Der Richter und sein Henker". Ich bat den Lehrer, mir den Film mitzugeben, damit ich ihn zu Hause anschauen könne. Zu Hause konnte ich den Film nämlich mittels Kopfhörer schauen und mehr verstehen. Das erklärte ich ihm auch. Dann sollte eine Klassenarbeit über einen anderen Film geschrieben werden. Obwohl ich ja versucht hatte zu erklären, dass ich bei Filmen nicht viel verstehe, kam mein Lehrer nicht auf die Idee, dass ich bei so einer Klassenarbeit ja benachteiligt bin. Im Nachhinein habe ich erfahren, dass ich mich von dieser Arbeit hätte befreien lassen können, aber damals wusste ich das nicht, und irgendwie kam das damals für mich auch nicht infrage. Ich wollte einfach versuchen, mit den Mitteln die ich habe, das Beste draus zu machen. Das Ergebnis war nicht berauschend, ich bekam eine 4. Was soll man auch schon groß schreiben, wenn man drei Viertel des Films nicht verstanden hat?

Die 4 störte mich nicht, was mich störte, war der Satz den mein Lehrer darunter geschrieben hatte: "Filmanalyse ist wohl nicht dein Ding." Mit Verlaub, aber das ist ungefähr so, wie wenn man einen Gehbehinderten zwingt, am 1000-Meter-Lauf teilzunehmen, der Gehbehinderte dann als einer der letzten ins Ziel kommt und man dann zu ihm sagt: "1000-Meter-Lauf ist wohl nicht Ihr Ding." Was blöderes kann man gar nicht sagen. Es mag sein, dass mein Lehrer es letztlich nicht böse gemeint hat, aber es zeugt doch von einer sehr großen Unbeholfenheit im Umgang mit Hörgeschädigten.


Ein anderes Problem war die mündliche Beteiligung. Die Mikrolink-Anlage war mir eine große Hilfe, da sie mir das Zuhören erleichterte, weil ich nicht mehr ständig absehen musst und die Lehrer auch dann verstehen konnte, wenn sie mit dem Rücken zu mir standen. So war ich nach dem Unterricht nicht mehr ganz so geschafft. Allerdings: Die Mikrolink-Anlage hatte ja nur der Lehrer oder die Lehrerin. Was die Schüler sagten, konnte ich so gut wie nie verstehen, es sei denn, jemand, der neben mir saß, sagte etwas.

Zwar hatte ich immer einen speziellen Sitzplatz. Natürlich ganz vorne, aber eben nicht in der ersten Reihe. Die Tische bei uns waren immer in Hufeisenform (oder wenigstens ein halbes Hufeisen) gestellt und ich saß immer mit dem Rücken zum Fenster ganz vorne an der Seite. Mit dem Rücken zum Fenster ist sehr wichtig, hätte ich auf der anderen Seite gesessen, hätte mich das Licht ständig geblendet und ich hätte nicht absehen können. So kam das Licht immer von hinten und blendete mich nicht. Außerdem bot der Platz da voren an der Seite die Möglichkeit, fast alle Mitschüler zu sehen. Dennoch war es mir nicht möglich, zu verstehen, was sie sagten. Erstens dauerte es oft sehr lange, bis ich überhaupt merkte, wer etwas sagte (irgendwann wurden wir nämlich nicht mehr mit dem Namen aufgerufen, sondern die Lehrer sagten einfach nur "Ja?"). Zweitens waren die Münder meist von irgendwelchen Köpfen verdeckt, diejenigen, die auch in der Fensterreihe saßen, konnte ich ja sowieso nicht sehen. Und drittens, ich habe sehr gute Augen, aber irgendwann ist die Distanz zum Absehen einfach zu groß. Wenn ein Buch 5 Meter von mir entfernt liegt, kann ich ja auch nicht lesen, was drin steht.

Und wie bitteschön, soll man sich im Unterricht beteiligen, wenn man überhaupt nicht weiß, worüber gerade diskutiert wird? Hinzu kommt, dass ich als Hörgeschädigte überhaupt erstmal Kopfarbeit leisten muss um akustisch zu verstehen: Lippenabsehen, Kombinieren (also die Wörter, die man nicht verstehen/absehen konnte, vom Kontext her erraten). Damit bin ich schon sehr beschäftigt. Und dann im zweiten Schritt muss ich das Ganze ja auch noch kapieren. Dann muss ich mir noch überlegen, was man Gescheites dazu sagen könnte...... Ich hinke also imme ein Stück hinterher. Ja, und dann ist es einfach schwierig, sich ins Unterrichtsgeschehen einzumischen.

Meine Lehrer wollten dies jedoch nicht einsehen. Ich sei einfach zu schüchtern oder zu bockig, hieß es. Sicher, schüchtern bin ich. Und ja, ich sage meist nur dann etwas, wenn ich mir wirklich sicher bin, dass es auch stimmt. Ist das schlimm? Niemand blamiert sich gerne freiwillig und als Hörgschädigte blamiert man sich sowieso öfter als andere Leute. Irgendwann reicht es ja dann auch mal.

Nun ja, ich darf nicht alle Lehrer über einen Kamm scheren. Manche waren durchaus damit zufrieden, wenn ich ab und zu etwas sagte und gaben mir im Zeugnis die Note, die ich auch schriftlich hatte, oder machten allenfalls mal aus einer 2 eine 2-. Einer allerdings hatte mich wegen meiner "Schüchternheit" auf dem Kiecker und machte sich einen Spaß daraus, mich wegen meiner mangelden Beteiligung zwei Noten runterzustufen. So stand ich schriftlich auf 1 und bekam dann im Zeugnis eine 3. Vielleicht wollte er mich auf diese Art motivieren, im Unterricht mehr zu sagen, doch der Schuss ging nach hinten los. Auf Druck reagiere ich nämlich mit Trotz. Trotz ist eine urpolnische Eigenschaft, das erklärt auch, warum ich mich in diesem Land so wohl fühle :-)

Das Problem war sicherlich auch, dass ich eingentlich nicht in der Lage war, meinen Lehrern und Mitschülern zu erklären, welche Unterstützung ich brauche. Das wiederum hing damit zusammen, dass meine Eltern sich überhaupt nicht mit meiner Hörbehinderung auseinandergesetzt haben. Als ich noch jünger war, wäre es nämlich ihre Aufgabe gewesen, mit den Lehrern darüber zu sprechen. Auch wäre es gut gewesen, wenn ich einen sogenannten mobilen Dienst gehabt hätte. Die helfen nämlich hörgeschädigten Kindern bei solchen Problemen und reden im Notfall mit den Lehrern.

Auf der anderen Seite denke ich, ich habe mich ganz alleine durchgebissen. Ich habe keine Extrawürste gebraten bekommen. Ich habe unter sehr schwierigen Bedingungen mein Abitur gemacht, mit einem Schnitt von 1,8 (Ok, es ist nur ein NRW-Abi). Ich denke, da darf ich durchaus zufrieden mit mir sein.

Es gab durchaus auch Lehrer, die sich auf meine Situtation einstellen konnten, ohne dass ich ihnen irgendetwas erklären musste. Meine Biologie-Lehrerin beispielsweise brachte mir immer Zettel mit, wenn sie der Klasse einen Film zeigte. Auf den Zetteln stand das Wesentliche aus den Filmen drauf. Mein Geschichtslehrer brachte mir ebenfalls Zettel mit, wenn er Hörspiele vorspielte. Wie gesagt, das alles, ohne dass ich sie darum gebeten hatte und ohne dass ich ihnen meine Hörbehinderung näher erläutert hatte. Meine Chemie-Lehrerin war sehr verständnisvoll als ich einmal viel zu spät in ihrern Unterricht kam, weil mein Hörgerät am morgen den Geist aufgegeben hatte, und ich mir erst Ersatz besorgen musste. Ich bin den dreien heute noch dankbar.

Dienstag, 11. November 2014

Noch mehr auffallen

Am Beginn meines Studiums habe ich mich wirklich ernsthaft gefrag, ob ich Autistin bin. Auf dem Campus wurde ich nämlich ständig gegrüßt von Leuten, die ich nicht kannte, die ganz offensichtlich aber mich kannten. Diese Frage hat mich wirklich umgetrieben, bis ich eines Tage einen von diesen mir Unbekannten in einer Vorlesung entdeckte. Die Leute kannten mich alle, weil sie immer sahen, wie ich vor der Vorlesung zum Dozenten ging und ihm mein Mikrolink gab. Ich wiederum konnte aber nicht 200 Leute sehen. Ich sah meist nur diejenigen, die neben mir saßen. Jedenfalls bin ich sehr froh, dass ich nicht Autistin bin.

Immer schön auffallen

Ein Leser hat im Kommentarbereich Folgendes gepostet:
"Irgendwann dachte ich, dass der liebe Gott mir diesen Sprachfehler in die Wiege gelegt hat, damit er mich vor unsinnigem Geschwätz meinerseits bewahren wollte."

In Falle meiner Schwerhörigkeit würde das dann heißen, dass Gott mich vor dem dummen Geschwätz der anderen bewahren wollte, nicht wahr :)

Spaß beiseite.

Schwerhörigkeit es so mit sich, dass man ständig auffällt, und zwar unangenehm auffällt. Zum Beispiel gestern. Ich hatte am Nachmittag im Nachhilfeinstitut gearbeitet und mit einer Schülerin etwas überzogen, weil wir unbedingt einen Lateinsatz noch zu Ende übersetzen wollten. Um 18 Uhr hatte ich dann Kolloquium in der Uni, zu dem ich dann leider 5 Minuten zu spät kam. Das mag ich gar nicht, denn ich nutze bei solchen Gelegenheiten eine Mikrolink-Anlage. Das ist ein Ansteckmikrofon, das steckt sich der Referent an und dann überträgt es direkt in die Empfänger, die ich am Hörgerät habe. Wenn ich aber nun zu spät komme und der Vortrag schon angefangen hat, habe ich die Wahl, mich entweder still dazuzusetzen und nichts zu verstehen (dann bräuchte ich eigentlich gar nicht hingehen), oder ich muss eben den Vortrag unterbrechen und den Referenten bitten, das Mikrofon anzustecken. Unangenehm. Gestern entschied ich mich für letzteres und dann war es glücklicherweise gar nicht so schlimm. Und der Vortrag war wirklich sehr spannend.

Zu den Peinlichkeiten, die einem so passieren, wenn man schwerhörig ist, hatte ich mich an anderer Stelle schon geäußert. Man beantwortet Fragen falsch, weil man sie falsch verstanden hat. Oder noch besser: man reagiert überhaupt gar nicht, weil man gar nicht gemerkt hat, dass da jemand mit einem gesprochen hat. Man kommt zu früh oder zu spät in die Schule, weil man nicht gehört hat, dass an diesem einen Tag der Unterricht anders stattfindet als normal. Auf einer Zugfahrt nach Altötting ist es mir mal passiert, dass ich hätte in München-Ost umsteigen müssen, es eine Durchsage gab, dass der Zug heute in München-Ost nicht halte und man deswegen bitte am Hbf austeigen solle. Diese durchsage hörte ich natürlich nicht und musste dann bis Rosenheim weiterfahren, um von dort nach Altötting zu fahren und war dann mehr als eine Stunde länger unterwegs. Immerhin habe ich so die Berge gesehen.

Kurz man fällt immer irgendwie auf, spätestens dann wenn man sagen muss: Sorry, ich bin schwerhörig. Können Sie das bitte noch einmal wiederholen.

Man wird auch öfter Mal von unbekannten Leuten angelabert, von wegen was man denn da hinter dem Ohr habe, und die sehen ja so schön aus (meine Ohrpassstücke sind weinrot und mit Brillies versehen), und es sei ja so toll, dass es heute solche Möglichkeiten gebe etc. Sicherlich ist das immer gut gemeint, aber gut gemeint ist leider nicht immer gut. Vor allen Dingen letzteres stößt mir manchmal übel auf. Ja, ich finde es auch toll, dass die Hörtechnik heute so weit entwickelt ist, dass es heute so tolle Hörgeräte gibt. Ich bin auch sehr dankbar dafür. Aber wenn ein Guthörender mit das sagt, dann klingt es immer ein bisschen so, als wolle er mir vorschreiben, wofür ich gefälligst dankbar zu sein habe. Oder als wolle er sagen: "Sehen Se mal, ist doch alles gar nicht so schlimm." Und das ist letztlich Bevormundung.

Ich bin eigentlich ein total schüchterner Mensch. Ich möchte eigentlich gar nicht auffallen, sondern lieber anonym irgendwo in der Masse verschwinden. Ich würde auch gerne mal einfach in der letzten Reihe sitzen, wo man vom Lehrer/Dozenten nicht gesehen wird. Wo man auch mal unauffällig die Vorlesung verlassen kann, wenn sie zu langweilig ist.

Stattdessen bin ich gezwungen, ein Leben mehr oder weniger auf dem Präsentierteller zu führen. Ich muss ständig in der ersten Reihe sitzen. Ich muss vor zweihundert Augenpaaren aufstehen, nach vorne gehen und dem Dozenten ein Mikrofon in die Hand drücken. Ich falle positiv auf (die Leute bewundern es, dass eine Schwerhörige Sprachen studiert), ich falle negativ auf (weil ich manchmal total unpassend reagiere).

Jedenfalls fragte ich mich eines Tages, warum der Liebe Gott ausgerechnet mich, wo ich doch so schüchtern bin, mit einer Schwerhörigkeit ausgestattet hat. Aber der Grund ist wohl genau der. Ich soll wohl einfach lernen, über meinen Schatten zu springen.

Flöte

Ein Mädchen aus der Nachbarschaft möchte gerne Flöte spielen lernen und die Mutter hat mich gefragt, ob sie mal zu mir kommen kann. Ich habe gerne zugesagt.

Schwerhörig Flötespielen zu unterrichten ist aber doch irgendwie etwas anderes als schwerhörig Flötespielen zu lernen. Im Moment höre ich nur, dass ihre Töne zu schrill sind, kann aber nicht genau sagen, ob sie zu feste bläst, oder ob sie doch die Löcher nicht richtig abdeckt. Jedenfalls klingt es für mich noch nicht richtig. Gut, sie war ja das erste Mal da und sie ist ja noch klein.

Ich dachte mir dann: "Gut, das Kind ist guthörend, die wird die Töne ja sicherlich gut hören, ich spiele ihr die zwei Töne, die sie lernen soll, auch immer mal wieder vor, und kann dann versuchen, ob sie den Ton so mit ihrer Flöte auch hinbekommt." Ich habe ihr auch einmal vorgemacht, das ein Ton anders klingt, wenn man feste bläst und wenn man sachte bläst. Den Unterschied hat sie wohl auch gehört, sagt sie jedenfalls.

Ja, und dann sagte mir die Mutter hinterher, als das Kind schon weg war, dass das Mädel auch schlecht hört, dass sie aber zu Hause in der Familie darüber gar nicht reden, weil das Mädel es nicht wahrhaben will.

Hmmm. Es bestürzt mich irgendwie immer, wenn ich merke, dass jemand seine Schwerhörigkeit nicht wahrhaben will. Sicher, ich habe es auch jahrelang nicht wahrhaben wollen, bzw. ich wollte nicht, dass jemand es merkt. Gerade deswegen weiß ich aber auch, wieviel Leid das Vertuschen mit sich bringt. Natürlich kann ich nicht verhindern, dass andere Leute dieselben Fehler machen wie ich. Aber schade finde ich es trotzdem, zumal hier ja die Eltern offenbar schon gemerkt haben, dass ihre Tochter schwerhörig ist.

In solchen Situationen weiß ich immer nicht, ob ich die Leute nochmal ermutigen soll, sich der Wahrheit zu stellen, auch durch mein eigenes Beispiel. Oder ob es besser ist, nichts zu sagen.

Jedenfalls bin ich mal gespannt, wie die nächste Flötenstunde wird.

Hirte

Ich habe gemerkt, dass am Donnerstag das Tagesevangelium das Gleichnis Hirten und dem verlorenen Schaf enthielt. Das hatte ich noch nicht gewusst, als ich meine Internetfundstücke präsentiert habe. Ich habe es erst am Abend bemerkt. Da es aber nun zu diesem "Zufall" gekommen ist, dachte ich mir, dass ich die beiden Fotos vielleicht doch nicht so unkommentiert stehen lassen kann.

Falls jemand von Euch den Film "Leben des Karol Wojtyla" von Giacomo Battiato gesehen hat, dann hat er auch die Stelle gesehen, als Stefan Wyszynski von den Kommunisten verhaftet wird. Auf die Vorwürfe der Kommunisten erwidert Wyszynski: "Ich bin derselbe, der ich immer war. Ich verteidige die christliche Seele dieses Landes und seinen Sinn für Freiheit, Frieden und Gerechtigkeit."

Es ist eher unwahrscheinlich, dass sich der Wortwechsel wirklich so abgespielt hat, wie in dem Film dargestellt. Dennoch glaube ich, dass diese Szene Wyszynskis Haltung sehr gut zum Ausdruck bringt. Die wichtigste Kategorie in seinem Denken war das Seelenheil. Das mag heutzutage vielen befremdlich vorkommen, denn wir heute sind ja doch allzusehr mit unserem irdischen Heil beschäftig. Also, die wichtigste Kategorie in Wyszynskis Denken war das Seelenheil. Zweitens war ihm immer klar, dass er sich eines Tages vor Gott verantworten muss. Er hat sich also verantwortlich gefühlt, für das Seelenheil derer, die Gott ihm anvertraut hat. Aus diesem Verantwortungsgefühl heraus hat er gehandelt.

Deswegen hat er sich auch politisch geäußert. Viele (säkulare) Historiker sagen immer, Wyszynski habe Politik gemacht. Sicher hat er sich politisch geäußert, aber doch nicht, weil er Politik machen wollte, sondern weil nicht schweigen konnte angesichts der staatlichen Versuche, die Menschen von Gott abzubringen. 

Deswegen war er sehr klar und geradlinig in der Verkündigung. Er hat die Inhalte der kirchlichen Lehrer immer klar benannt und die Gläubigen aufgefordert, sich daran zu halten. Aber er war auch sehr gütig und zugewandt in der persönlichen Begegnung mit den Menschen. Während des Krieges hat Stefan Wyszynski blinde Kinder betreut. Einer dieser Jungendlichen erzählte einmal, dass er manchmal länger nicht beichten war und Wyszynski ihn dann freundlich aufmunterte: Junge, nun komm mal wieder beichten.

Die Bischöfe Stefan Wyszynski, Karol Wojtyla und Antoni Baraniak.
Sie verteilen die wundertätige Medaille.


Letztlich denke ich, dass die Leute seine klare Haltung geschätzt haben. Sie haben Wyszynski geschätzt, nicht obwohl er manchmal unbequem war, sondern gerade weil er manchmal unbequem war. Weil sie gemerkt haben, da nimmt uns jemand ernst, wir liegen ihm wirklich am Herzen. Er speist uns nicht mit billigen Kompromissen ab.

Als Wyszynskis Sarg durch die Straßen Warschaus getragen wurde, knieten (!) die Menschem am Straßenrand:https://www.youtube.com/watch?v=isEhUDUKMJs

Und noch etwas: Stefan Wyszynski starb an Christi Himmelfahrt. Ich denke, damit hat Gott schon alles gesagt.

Über dieses Blumenmeer wird der Sarg des polnischen Primas getragen.

Donnerstag, 6. November 2014

28/21

Vorgestern war ich in einem Kleidunggeschäft und kaufte zwei Teile. An der Kasse hörte ich und las ab: Achtundzwanzig Euro neunzig. Ich wunderte mich, denn der Preis erschien mir viel zu hoch. Da ich aber keine Diskussion mit der Kassiererin anfangen wollte, sagte ich nichts und reichte ihr das Geld. Währenddessen rechnete ich im Kopf schnell nach, ob es denn stimmen könnte. Und da fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Nicht achtundzwanzig hatte sie gesagt, sondern einundzwanzig. Acht und eins hören sich für mich gleich an und sehen auch im Lippenbild gleich aus.

Internetfundstücke

Ein Hirt

Komancza 1956

und seine Herde




Montag, 3. November 2014

Licht

Beim Thema Schwimmbad fällt mir noch eine andere Geschichte ein. Es war im 5. oder 6. Schuljahr beim Schulschwimmen. Da kamen zwei Freundinnen zu mir und fragten nach der Uhrzeit. Ich wunderte mich. Wir standen nämlich genau vor der Schwimmbaduhr, genauer gesagt: wir standen darunter. Also antwortete ich: "Da ist doch die Uhr." Die beiden Mädels lachten und sagten: "Wir sehen das doch nicht."

In der Tat. Die beiden waren Brillenträger und die Brille nimmt man zum Schwimmen in der Regel auch ab. Das war für mich eine ganz neue Perspektive, dass man etwas nicht sehen bzw. erkennen kann, obwohl man mehr oder weniger direkt davor steht. Bis zu diesem Zeitpunkt war mir auch noch nicht klar gewesen, was Brilletragen eigentlich bedeutet.

Gerade für mich hat das sehen ja noch einmal eine ganz besondere Bedeutung, weil ich damit auch meinen schlechten Hörsinn ausgleiche. Sei es, dass ich von den Lippen absehe. Sei es, dass ich im Straßenverkehr viel mehr umherschaue, weil ich die Gefahr oder das Martinshorn nicht höre. Sei es, dass ich mir Gestik und Mimik der Leute genau anschaue, um erraten zu können, was sie gesagt haben könnten...

Wenn es also dunkel wird, verliere ich nicht nur einen Sinn, sondern gleich zwei. Wenn es dunkel ist, kann ich nämlich nichts mehr sehen. Und wenn ich nichts mehr sehen kann, kann ich auch nichts mehr hören. Komisch nicht? Ich meine, Geräusche kann ich schon noch hören, aber ich kann keine Gespräche mehr führen. Ich sehe nichts.

Dunkelheit mag ich also gar nicht. Ein Wehrmutstropfen für meinen stromsparenden Vater, habe ich doch die Angwohnheit nicht nur da wo ich mich aufhalte, das Licht anzumachen, sondern immer auch im Flur. Damit man was sehen kann.

Sonntag, 2. November 2014

Schwimmbad

Neulich kam nach meinem Aquafitness-Kurs ein Mann aus dem Kurs zu mir und fragte, ob ich schwerhörig sei. Ich bejahte und er fragte, wie ich das denn dann im Schwimmbad mache. Ich setzte zu einer Erklärung an, kam aber nicht weit. Ich konnte gerade noch sagen, dass ich meine Hörgeräte im Wasser nicht tragen kann, weil das Gehäuse nicht wasserdicht ist und Elektronik beim Kontakt mit Wasser natürlich kaputt geht.

Ich hatte eigentlich noch erklären wollen, dass ich von den Lippen absehe, und dass ich immer gucke, was die Trainerin am Beckenrand vormacht und das dann nachmache. Ich kam allerdings nicht mehr dazu, das zu sagen, weil er mich unterbrach, und meinte, dass es doch ganz bestimmt Hörgeräte gebe, die auch wasserdicht sein. Ich versuchte nocheinmal zu sagen, dass es das nicht gibt, aber er hörte kaum zu und meinte: "Doch, bestimmt. Fragen Sie dochmal ihren Arzt."

Das habe ich immer gern. Eine Person, die keine Ahnung von Hörtechnik hat (der Mann ist weder Akustiker, noch ist er selbst hörgeschädigt), glaubt, mir sagen zu können, was es doch ganz bestimmt alles an Hörtechnik gibt. Und selbst wenn es ein wasserdichtes Hörgerät gäbe, hat der gute Mann eigentlich eine Ahnung, wer den Luxus bezahlen soll?

Sicher, das war bestimmt gut gemeint, aber gut gemeint kann trotzdem auch nervig sein. Nervig auch deswegen, weil es den Mann offensichtlich gar nicht wirklich interessiert hat, wie ich im Schwimmbad höre. Statt auf meine Antwort einzugehen, hat er mich mit wohlmeinenden Ratschlägen über vermeintlich existierende Hörtechnik abgespeist. Wenn's ihn aber doch nicht interessiert, wieso fragt er dann?

Ein anderes Mal, kam ich sozusagen kurz vor knapp im Schwimmbad an, zog mich um und suchte dann einen Spind für meine Sachen. Ich fand einen, andere Frau war aber schneller, also wandte ich mich ab, und sucht einen anderen, den ich auch fand. Dann begann die Frau, mich von der Seite anzuprechen. Ich hatte es eilig (es war kurz vor knapp), und wenn ich meine Hörgeräte nicht trage, unterhalte ich mich nur äußerst ungern. Weil ich nämlich nicht alles absehen kann. Manche Buchstaben sehen gleich aus, zum Beispiel p und b. Und ein r zum Beispiel kann man manchmal gar nicht sehen. Ich unterhalt mich also nur äußerst ungern ohne Hörgerät und für mich bestand da an dem morgen auch keinerlei Kommunikationsbedarf. Die Frau war schneller gewesen als ich, so ist das Leben. Und ich hatte ja noch einen anderen Spind gefunden. Für mich war die Sache damit erledigt. Die Dame jedoch fühlte sich verpflichtet, mir zu erklären, dass es ja keineswegs eine böse Absicht von ihr gewesen sei etc. etc. Erst habe ich sie kurz ignoriert und meine Sachen in den Spind geräumt, dann habe ich gesagt, dass ich ohne Hörgeräte nicht viel hören kann.

Sie fand das nicht sehr höflich, das kann ich auch verstehen. Aber ich fand es auch nicht sehr höflich, dass sie mich schon so früh am morgen mit völlig unnützen Gesprächen behelligt hat.

Nach dem Schwimmen (als ich meine Hörgeräte wieder trug) kam sie nocheinmal auf mich zu und meinte, ich solle doch einfach gleich sagen, dass ich schwerhörig sei, sie kenne das von ihrer Mutter. Oha! Die Dame ist ca. Mitte 50, ihre Mutter dürfte also ca. 80 sein. Ich habe das schon als Teenager gehasst, wenn die Leute beim Anblick meiner Hörgeräte gesagt haben: "Ach ja, das kenne ich, mein Opa ist auch schwerhörig." Welcher Teenager lässt sich schon gerne mit alten Leuten vergleichen? Außerdem ist Altersschwerhörigkeit eine völlig andere Art der Schwerhörigkeit, als eine hochgradige Schwerhörigkeit von Geburt an.


Samstag, 1. November 2014

Allerseelen




 Ich weiß, der Brauch, auf den Friedhof zu gehen, für die Verstorbenen zu beten und die Gräber zu segnen, gehört eigentlich zu Allerseelen und heute ist Allerheiligen. Für mich gehören aber beide Feste zusammen, und ich finde Allerseelen fast noch schöner und tröstlicher, als Allerheiligen.

Während in Deutschland (zumindes in meiner Heimat) bei der Gräbersegnung immer bleierne Begräbnisstimmung herrscht, hat das Ganze in Polen eine würdevolle und hoffnungfrohe, fast schon heitere Stimmung.

"Der schönste kirchliche Feiertag in Polen ist der erste November, also Allerheiligen. An diesem Tag ist das ganze Land in Bewegung. Fast jeder Pole besucht die Gräber seiner Angehörigen und nimmt dafür zehnstündige Zugfahrten in Kauf. Vor den Friedhöfen parken kilometerlange Autokolonnen, die Polizei dirigiert Sonderbusse durch das Chaos. An den Toren werden tonnenweise Ewige Lämpchen und Blumen verkauft."

So schildert es Steffen Möller in seinem Buch "Viva Polonia. Als deutscher Gastarbeiter in Polen", das 2009 im Fischer Verlag erschien.

Donnerstag, 30. Oktober 2014

:)


Blume

Komancza 1956




In Komancza stand Stefan Wyszynski etwa ein Jahr lang unter Hausarrest. 1953 war Wyszynski von der kommunistischen Geheimpolizei verhaftet und verschleppt worden. 1955 wurde die Haft dann in einen Hausarrest umgewandelt und er wurde nach Komancza gebracht. Im Oktober 1956 wurde er wieder freigelassen.

Mittwoch, 29. Oktober 2014

For Greater Glory/ Cristiada

Heute würde ich gerne einen Film vorstellen, den man sich sehr gut zum Christkönigsfest anschauen kann. Der englische Titel lautet: For Greater Glory. Der polnische Titel: Christiada.










Der Film spielt im Mexiko der 1920er Jahre und zeigt eine wahre Geschichte: Präsident Plutarco Calles (Sozialist) ging gewaltsam gegen den katholischen Glauben vor. Kirchen wurden gesprengt, Priester ermordet und gläubige Bauern erhängt. In dieser Situation fanden sich Gläubige zusammen, die den Glauben verteidigen wollten. Sie nannten sich Cristeros und kämpften gegen die staatlichen Truppen. Ihr Motto: Viva Cristo Rey. José Luis Sánchez - auch José Sánchez del Rio - war 13 Jahre alt und schloss sich den Cristeros an. Eines Tages wurde er von den staatlichen Truppen geschnappt, grausam gefoltert und sollte dem Glauben abschwören. Doch der Junge blieb standhaft und wurde schließlich erschossen. Im Jahre 2005 wurde er seliggesprochen.

Der Film ist zwar streckenweise sehr brutal (nichts für zarte Gemüter), ich finde ihn aber total sehenswert und sehr beeindruckend.

Ich habe den Film in Polen bei meinen Freunden geschaut. Wenige Wochen später fragte eine polnische Nonne mich, ob ich den Film gesehen haben. Als ich bejahte, sagte sie, der Film habe sie sehr beeindruckt. Besonders das Zeugnis von José. "Wie oft verleugnen wir heute Jesus nur deswegen, weil wir Angst haben, verspottet zu werden. Und dieser kleine Junge hat trotz Folter an Jesus festgehalten."

Übrigens habe ich mich darüber gewundert, warum der Film in Polen so populär ist und sogar in den Kinos lief, während in Deutschland kein Mensche den Film kennt. Er lief hier ja auch gar nicht in den Kinos. Nachdem ich den Film gesehen hatte, war mir alles klar. Der heldenhafte Kampf für Gott, Ehre, Vaterland und für die Freiheit; die Bereitschaft, für diese Werte das eigene Leben zu opfern; das ist total polnisch!

Tatsächlich ist sogar die Wissenschaft der Meinung, dass es nur ein Land auf der Welt gibt, in dem ein Marienheiligtum eine ähnliche historische Bedeutung hat, wie in Polen, und das ist eben Mexiko. Was für Polen Tschenstochau ist, ist für Mexiko Guadalupe.

Die World Socialist Web Site beklagt übrigens, dass es sich bei diesem Fillm um Geschichtsklitterung handle, da die Katholische Kirche in diesem Film "weißgewaschen" würde. Also ehrlich gesagt, ich habe nicht den Eindruck, dass die modernen Medien die Katholische Kirche zu positiv darstellen. Eher ist das Gegenteil der Fall. Umso mehr gefällt es mir, dass hier mal ein Film vorliegt, der mal nicht versucht, die Katholische Kirche in ein schlechtes Licht zu rücken.

Samstag, 25. Oktober 2014

Neulich

Neulich fuhr ich mit einer Kommilitonin auf ein Stipendiatenwochenende von meiner Studienstiftung. Nun ist das mit diesen Stipendiatenwochenenden immer so eine Sache. Die großen Studienstiftungen schreiben immer, wie wunderbar die Stipendiaten sich auf solchen Wochenenden "vernetzen" können. In der Theorie ist das sicherlich eine gute Sache, in der Praxis allerdings kaum möglich, zumindest für mich als Hörgeschädigte nicht.

Bei den Vorträgen und Diskussionen solcher Seminare komme ich meist noch einigermaßen mit. Ich verwende eine FM-Anlage, d. h. ein Mikrofon, das direkt in mein Hörgerät überträgt. Genau genommen sind es zwei Mikrofone, eines für den Referenten oder die Referentin, eines für die Zuhörer während der Diskussion. Während der Vorträge "vernetzt" man sich aber nicht. Das passiert beim Essen und in den Kaffeepausen. Und genau da beginnt für mich das Problem. Es sind neben den Stipendiaten auch noch andere Gruppen im Tagungshaus, der Speisesaal ist also voll und es herrscht eine Lautstärke wie in der Bahnhofshalle. Es sitzen viele, viele Leute in Gruppen zusammen und reden, Geschirr klappert etc.

Teilnahme an Gesprächen kann ich unter diesen Bedingungen vergessen. Ich höre nur einen Geräuschebrei, Stimmen herauszufiltern und so etwas zu verstehen, ist mir nicht möglich. Ich kann zwar versuchen, den Leuten, die mir gegenüber sitzen auf die Lippen zu starren, aber das, was ich dann sehe, ist zu wenig, um verstehen zu können. Außerdem möchte ich ja auch mal essen und dazu muss ich dann auf meinen Teller schauen. Auch gehen die Wortwechsel manchmal so schnell, dass man mit den Augen gar nicht hinterher kommt. Es ist für mich auch unmöglich, etwas zu verstehen, was jemand sagt, der auch nur zwei Plätze von mir entfernt sitzt. Guthörende hingegen können sich problemlos über fünf Köpfe hinweg unterhalten. Und dann haben Guthörende ja noch die Unart, dem Gesprächspartner ständig ins Wort zu fallen oder gleichzeitig mit ihm zu reden, weil jeder seine Gedanken unbedingt loswerden möchte. Ich kann aber dummerweise nur dann etwas verstehen, wenn nur einer redet.

So sitze ich also immer mitten unter den vielen Leuten und bin letztlich doch allein, weil ich nichts verstehe. Unterhalten kann ich mich unter solchen Bedingungen nur dann, wenn eine Person bereit ist, sich die ganze Zeit mit mir allein zu unterhalten. Das wollen die jungen Leute bei den Stipendiatengruppentreffen aber nicht unbedingt und ich kann es ihnen nicht verübeln. Es sind viele jungen Leute da und da möchte man einfach viele von ihnen kennenlernen. So eine Schwerhörige Studentin, die zu den Gesprächen nie etwas beisteuert (weil sie nichts versteht, aber ich glaube, das merken viele Leute gar nicht), ist da einfach langweilig.

Bei jenem Stipendiatenwochende schaute man am Samstagabend in großer Runde ein Fußballspiel. Vor Anpfiff stand ich etwas abseits, allein. Da kam ein älterer Herr und sagte irgendetwas, seiner Miene nach zu urteilen wohl etwas Lustiges. Ich sagte mein Standardsprüchlein auf ("Ich bin schwerhörig, ich habe Sie nicht verstanden...). Da wurde der Mann hellhörig. Er fragte, ob ich von Geburt an schwerhörig sei. Ich sagte, "Ja." Daraufhin sagte er, er habe großen Respekt vor dem, was ich geleistet habe. "Da muss man eine starke Persönlichkeit sein." Ich war erfreut, aber auch perplex. Erfreut, weil da jemand offensichtlich wusste, was Schwerhörigkeit bedeutet und was man alles leistet, um "normal" zu leben. Perplex, weil wir doch nur wenige Worte gewechselt hatten und er das in so kurzer Zeit abschätzen konnte.

Wir kamen ins Gespräch und es stellte sich heraus, dass er eine schwerhörige Tochter hat. Dann also kein Wunder, dass er sich auskannte. Im weiteren Verlauf erwies sich der Herr als außerordentlich redselig und er redete sehr laut, so dass wohl alle umstehenden mithören konnten. Das wurde mir dann langsam doch ein bisschen peinlich. Dennoch willigte ich ein, als er sich am nächsten Morgen beim Frühstück zu mir an den Tisch setzen wollte. Er erzählte viel von seiner Tochter und fachsimpelte über Hörgeräte und Cochlea Implantate. Wie gesagt: Er redete sehr laut, aber ich war froh, dass überhaupt jemand bereit war, sich mit mir zu unterhalten. Wobei es wohl eher ein Monolog seinerseits war (Eine schwerhörige Freundin von mir sagt ja immer, dass wir Schwerhörige immer der Mülleimer sind. Weil wir ja immer so aufmerksam zuhören, und weil wir dem Redner auch nie ins Wort fallen und daher auch noch zuhören, wenn Guthörende sich längst abgewendet haben).

Da kam also meine Kommilitonin in den Speisesaal und fand es total komisch, dass ich mich mit einem älteren Herrn über Hörgeräte unterhalte. Das hat sie mir hinterher noch ständig auf die Nase gebunden. Ich war dann doch etwas genervt von dieser Unsensibilität. Sicher, es ist für eine gesunde 28jährige saukomisch, wenn eine 29jährige sich mit einem älteren Mann über Hörgeräte unterhält. Das kann ich mir gut vorstellen. Ich selbst finde das aber gar nicht so komisch. Es kommt schließlich nicht sehr oft vor, dass ich Leute treffe, die von Hörtechnik was verstehen und für mich gehören Hörgeräte zum Alltag, warum soll ich mich also nicht darüber unterhalten? Und sicher, der Mann war vielleicht ein bisschen seltsam (und wohl auch ein Außenseiter), aber immerhin war er bereit, sich die ganze Zeit lang nur mit mir zu unterhalten. Sein lautes Organ war vielleicht peinlich, aber es erleichterte mir das Verstehen enorm. Und er hatte immerhin großen Respekt vor meiner "Lebensleistung" bekundet (was meine sich lustig machende Kommilitonin übrigens noch nie getan hat).

Ich kann schließlich auch nichts dafür, dass ich schwerhörig bin und dass es meist die älteren Herrschaften sind, die sich besser darauf einstellen können.

Mittwoch, 22. Oktober 2014

Habt keine Angst!

Heute vor 36 Jahren wurde Papst Johannes Paul II in sein Amt eingeführt.

Dabei kam es zu einer sehr bewegenden Begegnung. Die Kardinäle knieten nacheinander vor dem Papst nieder und gelobten ihm Treue. Als die Reihe an Stefan Wyszynski kam, stand der Papst zunächts auf, und versuchte, den knienden Primas ebenfalls zum Aufstehen zu bewegen. Dieser ließ sich allerdings nicht aus dem Konzept bringen. Da kniete der Papst ebenfalls nieder.


https://www.youtube.com/watch?v=-7W_NNRmLsk

Sonntag, 19. Oktober 2014

Jerzy Popieluszko

Heute vor 30 wurde der polnische Priester Jerzy Popieluszko ermordet.

Nach einer Messe in Bydgoszcz wurde sein Auto von Agenten der Geheimpolizei unter dem Vorwand einer Verkehrskontrolle angehalten. Popieluszkos Fahrer wurde festgenommen und zu einem anderen Auto gebracht. Popieluszko musste ebenfalls aussteigen, wurde zunächst bewusstlos geprügelt, schließlich gefesselt und geknebelt in den Kofferraum eines Autos geworfen. In der Nähe von Wloclawek banden sie ihm einen Sack an die Füße und warfen ihn in die Fluten der Weichsel.

Als im August 1980 die Arbeiter der Warschauer Hütte streikten und gerne eine Heilige Messe auf dem Gelände der Hütte feiern wollten (es war ein Besetzungsstreik, sie konnten das Gelände der Hütte nicht verlassen), wurde Jerzy Popieluszko dorthin geschickt. So wurde er Kaplan der Solidarnosc. Am 13. Dezember 1981 verhängte General Jaruzelski das Kriegsrecht über Polen. Solidarnosc wurde verboten, tausende Mitglieder verhaftet. In dieser Situation begann Jerzy Popieluszko, die Heiligen Messen für das Vaterland zu feiern, zu denen sich jeden Monat tausende in der Warschauer Stanislaus-Kostka-Kirche versammelten.

Jerzy Popieluszko gelang es, in seinen Predigten die Empfindungen der Menschen in Polen auszudrücken. Immer wieder machte er auf die Leiden der Menschen aufmerksam. Zugleich ermutigte er die Gläubigen, ihre persönlichen Leiden mit Christi Leiden zu verbinden, weil sie so Frucht bringen. Kein Sieg ohne Kreuz. Zeitzeugen bekennen, das Jerzy Popieluszko in seinen Messen nicht nur Brot und Wein in Leib und Blut Christi, sondern auch Verzweiflung und Hass in Hoffnung und Liebe verwandelte. "Besiege das Böse durch das Gute." Das ist Popieluszkos Vermächtnis.

Zu seiner Beerdigung kamen schätzungsweise 500.000 Menschen aus ganz Polen. "Unsere Trauer ist Gebet", sagte der damalige Primas von Polen, Jozef Glemp.


http://xj.popieluszko.pl/xjp/galeria-zdjec/8438,Pogrzeb.html

Letztes Jahr am 19. Oktober war ich selbst in Warschau und durfte in der Stanislaus-Kostka-Kirche dem Pontifikalamt zum Gedenken an Jerzy Popieluszko beiwohnen. Hier ein Foto vom Grab Jerzy Popieluszkos:

Die Stanislaus-Kostka-Pfarrei hat ein sehr interessantes Museum über Jerzy Popieluszko. Das Eingangsportal hat die Form eines Kreuzes und daneben steht geschrieben: Das Kreuz wurde uns zum Tor.

Donnerstag, 16. Oktober 2014

Vorstellung II

Mit 10 Jahren bekam ich endlich meine ersten Hörgeräte. Das kam so: Eines Abends lag ich lesend im Bett, als mein Vater nach Hause kam und seinen Schlüssel vergessen hatte. Meine Mutter war nicht da, da bei mir noch Licht brannte, klingelte er. Ich hörte die Klingel aber nicht. Er musst schließlich ins übernächste Dorf zu seinen Eltern fahren und dort der Zweitschlüssel holen. Als mein Vater dann mit mir zum Ohrenarzt ging, meinte dieser erst wieder, es sei alles OK. Da sagte mein Vater ihm, dass ich die Leute nur dann verstehen könne, wenn ich sie anschaue. Also drehte der Arzt sich um und sagte etwas. Ich verstand ihn nicht und damit hatte dann endlich auch mein HNO-Arzt begriffen, dass ich schwerhörig bin. Er überwies uns dann nach Marburg in die HNO-Klinik.

Als ich das erste Mal dorthin kam, schlugen natürlich alle Ärzt die Hände über dem Kopf zusammen, weil ich so spät erst (also eben mit 10 Jahren erst) dort auftauchte. Die wichtigste Phase der Sprachentwicklung liegt ja in den ersten sechs Lebensjahren und da sollte das Kind dann eigentlich auch gut hören können und im Falle einer Schwerhörigkeit mit Hörgeräten versorgt sein. Nun ja, irgendwie habe ich auch so sprechen gelernt, und irgendwie ist im Laufe der Grundschule auch noch das Lispeln verschwunden (wobei mir manchmal zugetragen wurde, ich würde "komisch" sprechen).

Ich war also 10 Jahre alt und gerade in der 5. Klasse des Gymnasiums, als ich meine ersten Hörgeräte bekam. Damals hatten die Dinger noch so eine hässliche Farbe. Alexander Görsdorf nennt es "fleischfarbenbeige". Die Akustiker bilden sich wohl ein, dass die Hörgeräte in dieser Farbe weniger auffallen, aber sie fallen natürlich trotzdem auf. Da kann man sie doch auch schön bunt machen, das sieht dann wenigstens schick aus. Meine jetzigen Hörgeräte sind weinrot.

Glücklicherweise war ich also schon in der 5. Klasse eines "normalen" Gymnasiums als die Schwerhörigkeit festgestellt wurde. Man konnte mich also nicht mehr so ohne weiteres hinauskomplimentieren. Hätte die Diagnose schon vorher festgestanden, hätten meine Eltern oder meine Lehrer vielleicht anders entschieden. So war ich nun einfach da, als einzige behinderte Schülerin unter 800 Teenagern.

Meine Hörgeräte habe ich gleich sehr geschätzt, konnte ich doch damit Laute hören, die ich bis dato nie gehört hatte. Allerdings hatte ich nun andere, neue Probleme. Während meine Hörgeräte am ersten Tag noch eine Attraktion waren (jeder wollte gucken), wurden sie mit der Zeit zum Minderheitenmerkmal. Meine Schwerhörigkeit trennte mich vom Rest der Klasse. Ich musste in der ersten Reihe sitzen, d. h. ich bekam nicht mit, was sich hinter mir in der Klasse so tat. Ich musste dem Lehrer wie gebannt auf die Lippen schauen, um dem Unterricht auch nur einigermaßen folgen zu können. Die kleinsten Störgeräusche hinderten mich daran, zu verstehen. Natürlich war ich damit zum Streber abgestempelt. Eine Schülerin, die ständig gebannt verfolgt, war der Lehrer sagt!

Was die Schüler zum Unterricht beitrugen, konnte ich ohnehin nur selten verstehen. Ich hätte den Leuten ja auf die Lippen starren müssen, ich hätte mich also ständig umdrehen müssen. Und wenn dann noch zwei andere Schüler so sitzen, dass sie den Blick auf den Sprecher verstellen... was will man da machen? Gruppenarbeiten ware mir ein absoluter Graus, da konnte ich nichts verstehen (weil ja meist mehrere Gruppen im selben Raum arbeiten und ich dann nur Stimmgewirr höre) und natürlich auch nichts beitragen. Als Mauerblümchen galt ich also auch.

Irgendwann begannen dann auch die Hänseleien. Es sieht sicherlich manchmal komisch aus, wenn ich die Leute ganz konzentriert anstarre. Also äfften meine Mitschüler das nach. Oder sie machten sich darüber lustig, wenn ich nichts verstand. Das Problem ist, dass ein Schwerhöriger, der ständig nachfragen muss, eben auch nicht schlagfertig sein kann. Ich muss ja schon wahnsinnig viel Denkarbeit leisten, um überhaupt akustisch mitzukommen. Und dann muss ich das ganze auch noch kapieren und mir dann noch Gedanken machen, was man Schlagfertiges erwidern könnte. Das alles dauert einfach viel zu lange, und dann ist der Moment, schlagfertig zu reagieren schon vorbei.

Ich versuchte also, die Hänseleien zu ignorieren und fand mich damit ab, das Leben eines Außenseiters zu führen.